Musik kann Berge versetzen. Manchmal auch Herzen.
1995 war das Original-„Help“-Album ein Schock der schönen Art: Die britische Musikszene auf dem Höhepunkt des Britpop, zusammengekommen für Kinder in Kriegsgebieten – und das alles an einem einzigen Tag aufgenommen. Jetzt, über 30 Jahre später, ist die Welt nicht besser geworden. Im Gegenteil: Fast jedes fünfte Kind auf der Welt lebt in einem Kriegsgebiet. „Help 2″ ist die Antwort darauf – und was für eine. Produzent James Ford bat die Künstler*innen für eine Woche in die Abbey Road Studios. Herausgekommen ist ein Doppelalbum mit 23 Songs, das man so schnell nicht mehr loswird. Die Stärke des Albums liegt in seiner Weigerung, ein braver Charity-Sampler zu sein. Hier wird keine Musik als Geste abgeliefert, sondern mit vollem Einsatz gespielt. Arctic Monkeys eröffnen mit ihrem ersten neuen Song seit 2022, dem schimmernden, düster-eleganten „Opening Night“ – und setzen die Latte sofort hoch. Damon Albarn, Grian Chatten und Kae Tempest liefern mit „Flags“ einen der aufregendsten Momente des Albums: Gospel-verseuchter Trip-Hop mit Kinderchor, entstanden spontan in einer Abendstunde in den Studios. Fontaines D.C. verwandeln Sinéad O’Connors Protestsong „Black Boys on Mopeds“ in ein schwebend-dringendes Statement, das schmerzhaft aktuell klingt. Depeche Mode machen aus Buffy Sainte-Maries „Universal Soldier“ einen zähen Düsterelectro-Block. Beth Gibbons singt das Velvet-Underground-Stück „Sunday Morning“ als zartes Kammerstück. Arooj Aftab und Beck verwandeln „Lilac Wine“ in eine rauchige Mitternachts-Beschwörung. Und am Ende schließt Olivia Rodrigo das Ganze mit einer atemberaubend schlichten Version von The Magnetic Fields‘ „The Book of Love“. Ja, bei 23 Songs verschwimmt das eine oder andere. Aber die Trefferquote ist außergewöhnlich hoch – und das Bewusstsein, dass jeder Kauf direkt hilft, macht das Hören noch ein bisschen wertvoller.

