Blues, Schweiß und Jersey-Stolz
Peter Karp ist so einer, den man eigentlich längst kennen müsste. Seit über 25 Jahren macht er Musik, hat mit Mick Taylor von den Rolling Stones gespielt, war bei Blind Pig Records unter Vertrag – und ist in Deutschland immer noch weitgehend ein Geheimtipp. „Jersey Town“, sein 13. Studioalbum, könnte das ändern. Oder zumindest sollte es das.
Das Album ist eine Rückkehr zu den Wurzeln: Karp, geboren in Leonia, New Jersey, aufgewachsen zwischen den Arbeiterstädten am nördlichen Ende des New Jersey Turnpike und den Südstaaten Alabamas, destilliert auf elf Songs alles, was ihn geprägt hat. Blues, Soul, Rock’n’Roll, ein Hauch Gospel – roh, direkt, ohne Schminke. Größtenteils live im Studio eingespielt, in einem Take. Das hört man.
„Mojo Jam“, der Opener, ist sofort ein Volltreffer: Karp am Wah-Wah-Gitarren-Fuzz, Gast Dennis Gruenling an der Mundharmonika, die Rhythmussektion groovt wie ein Güterzug. Vier Minuten, die eigentlich 17 waren – und man wünscht sich fast, sie hätten alles draufgelassen. „That Smile“ dagegen ist ein zartes Seelenstück: Karp hat es nach einem Gedicht seiner verstorbenen Frau Mary Lou geschrieben, Sue Foley spielt dazu Gitarre, Al Green lässt grüßen. Und „Faith“, eine Gospelballade, geschrieben für seine zweite Mutter, die Sam Cooke liebte, hat eine Wärme, die einen einfach erwischt.
Soulful Blues-Rock. Nicht mehr und nicht weniger – aber auf eine knackige, lebendige Art, die verdammt viel Spaß macht und einen daran erinnert, warum diese Musik zeitlos ist.

