Australiens beste Pub-Punk-Antwort auf eine unruhige Zeit
Vielleicht ist Australien in diesen 2020ern das, was England in den 1970ern war: eine Heimat für Bands, die mit Kraft, Frische und echtem Songwriting-Handwerk gegen den Lärm der Welt anspielen. The Smith Street Band aus Melbourne sind eine davon. Seit 2010 machen sie das, und auf ihrem siebten Album „Once I Was Wild“ tun sie es mit einer Reife, die ihnen ungemein gut steht.
Wil Wagner, Kopf und Stimme der Band, schreibt Texte, bei denen man das Gefühl hat, er sitzt einem gegenüber am Tresen und sagt die Dinge, die man sich selbst nie getraut hätte auszusprechen. Direkt, selbstironisch, manchmal schmerzhaft ehrlich. Seine Stimme pendelt dabei zwischen herzlich-knödeliger Wärme und wuchtig-kratziger Eindringlichkeit – und genau das macht den Unterschied. Der Opener „This Is It“ feiert das Leben, wie es ist, nicht wie es mal sein sollte. Das Titelstück blickt wehmütig, aber ohne Bitterkeit auf die wilden Tage zurück. Und „Constellation“ – laut Wagner entstanden, während er auf dem Boden eines Krankenhauszimmers schlief, nach der Geburt seiner Tochter – zeigt, dass sich bei ihm persönlichste Erlebnisse in Songmaterial verwandeln, das größer klingt als das eigene Leben.
Musikalisch bleibt die Band ihren Wurzeln treu: rohe Gitarren, ein Rhythmus mit Pub-Puls, euphorische Refrains zum Mitsingen. Bandkollegin Jess Locke steuert Gesangsduette bei, die den Songs eine zusätzliche Wärme geben. Die A-Seite dieser LP ist schlicht bockstark. Dass die B-Seite etwas den Schwung verliert, ist der einzige kleine Vorbehalt. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. „Once I Was Wild“ ist Pubrock mit Seele – und ein weiterer Beleg dafür, dass Down Under gerade eine der spannendsten Rockszenen der Welt hat.

