Ein Abend. Kein Schnitt. Alles drin.
Mein Gott, haben wir „Thank God We Left the Garden“ geliebt. Das 2023er Album des Portlanders Jeffrey Martin hat sich über Monate immer tiefer in uns hineingegraben – und Uncut nannte es kurzerhand ein Meisterwerk, MOJO verglich ihn mit John Prine in Hochform. So eine Messlatte. Und jetzt das: ein Livealbum. Aufgenommen am 25. Juli 2025 im The Showdown in Portland, Oregon – ein einziger Abend, ungeschnitten, unbearbeitet, chronologisch. Keine Kompromisse, keine nachträglichen Korrekturen. Martin selbst sagt dazu: „The live show will always mean more to me than any studio recordings.“ Man glaubt ihm das sofort.
Begleitet wird er von Gitarrist Sam Weber, der das Konzert auch aufgenommen und abgemischt hat und dessen Spiel so unauffällig brillant ist, dass Martin ihn später beschreibt als jemanden, der ihn die Aufnahme komplett vergessen ließ. Genau das merkt man: Hier wird kein Archivmaterial verwaltet, hier passiert Musik. Die 23 Titel umspannen Martins gesamte Karriere – von frühen Klassikern bis zu fünf Songs des Studioalbums, dazu der neue Song „1519“, eine eindringliche Auseinandersetzung mit Hernán Cortés, sowie ein Cover von Neil Youngs „Out on the Weekend“, das Martin mit bemerkenswerter Leichtigkeit zu seinem eigenen macht.
Was dieses Album so besonders macht, ist die Intimität, die sich über 90 Minuten hält. Martins Texte – über Schuld und Vergebung, über das Erwachsenwerden und die Brüche, die man dabei hinterlässt – entfalten live eine Kraft, die kaum weniger zuhaut als im Studio. „Billy Burroughs“, „Gold in the Water“, „Quiet Man“: Diese Songs brauchen keine Verstärkung. Eine Gitarre, eine Stimme, ein Raum – das reicht. Wer Menschen mit einer Gitarre und Gesang mag, sollte Jeffrey Martin kennen. Eigentlich sollte man ihn lieben!

