Das Album, das nie war. Und jetzt doch ist.
Manchmal taucht aus dem Plattenschrank etwas auf, das einen kurz innehalten lässt. „Trixies“, das neue – und gleichzeitig älteste – Album von Squeeze ist so ein Fall. Chris Difford und Glenn Tilbrook schrieben diese 13 Songs Mitte der Siebziger, als Difford 19 und Tilbrook gerade mal 16 war. Ein Konzeptalbum über einen fiktiven Londoner Nachtclub namens Trixies, bevölkert von zwielichtigen Gestalten, Tänzerinnen, Hasardeuren und Kleingangsterkönigen – inspiriert von Damon Runyons knackiger New Yorker Unterwelt-Prosa. Damals fehlte die musikalische Reife, das Ganze angemessen umzusetzen. Punk kam dazwischen. Das Kassettenband verschwand in einer Schublade. Bis jetzt.
Fünfzig Jahre später haben Difford und Tilbrook diese Songs mit der heutigen Band – produziert von Bassist Owen Biddle – endlich zum Leben erweckt. Und das Ergebnis ist verblüffend. „Trixies“ klingt nicht nach nostalgischer Restaurierung, sondern nach einem echten Album. Die Einflüsse sind spürbar und unverstellt: Bowie, Beatles, Beach Boys, Sparks, ein Hauch Stevie Wonder – alles da, alles noch unfiltriert. Genau das macht den Reiz. „Hell On Earth“ treibt mit stakkatoartigem Piano durch Nachtclub-Hinterzimmer, „The Place We Call Mars“ hat diesen traumverlorenen Beatles-Glanz, und „Good Riddance“ ist pure melodische Leichtigkeit. Das Titelstück – in zwei Teilen am Ende des Albums – bietet dann ein oppulentes Finale inklusive schillernder Charakterbeschreibungen.
Guilty Pleasure? Keineswegs. „Trixies“ ist das Werk zweier außergewöhnlich talentierter Teenager, die ihrer Zeit voraus waren – und das Dokument einer Freundschaft, die über Jahrzehnte trägt. Gut, dass das Kassettenband wieder auftauchte.

