Die Britin liefert ein wütendes, witziges und erschreckend ehrliches Debüt
Es gibt dieses Phänomen, das man am besten als weibliches Slackertum beschreibt: Frauen, die sich nicht zusammenreißen, nicht funktionieren, nicht schönreden – die stattdessen ihre Wut, ihre Verletzlichkeit und ihre phänomenale Power in Gitarren-Lärm verwandeln und dabei klingen, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Courtney Barnett hat es perfektioniert, Charlotte Cornfield macht es wunderbar, und jetzt reiht sich Melanie Baker aus Newcastle nahtlos in diese Reihe ein.
Ihr Debütalbum startet mit 51 Sekunden purem Urschrei – der Track heißt buchstäblich „AAAAAAAAHHHHHHHH!!!!“ – und macht damit sofort klar, worum es geht: um das, was sich nicht in Worte fassen lässt und trotzdem raus muss. Was danach kommt, ist ein kompaktes, knackiges Alternative-Rock-Album, das in seinen besten Momenten klingt wie die 90er, die man sich gewünscht hätte: fuzzy Gitarren, hämmerndes Schlagzeug, Melodien, die im Kopf bleiben, ob man will oder nicht.
Baker schreibt über Depressionen, über Trennungen, über queere Freude in einer Welt, die das immer noch ungern sieht – und sie tut das mit einer Mischung aus Selbstironie und Direktheit, die entwaffnet. „Sad Clown“ malt ohne jeden Weichzeichner das Bild einer miesen Phase, „HAHA!“ ist ein wütendes Empowerment-Stück, das unverschämt catchy ist, und das abschließende „You’ll Get Better“ schickt einen mit etwas raus, das sich fast wie Optimismus anfühlt. Keine einfache Leistung bei diesem Themenspektrum.
Ja, das Album erfindet das Indie-Rock-Rad nicht neu. Aber Baker hat eine Stimme – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – die einen nicht loslässt. Merkt euch den Namen.

