Ein Tribut, das seinen Namen verdient
Man kennt das Problem: Tribute-Alben zu Miles Davis gibt es ungefähr so viele wie Sandkörner am Strand, und fast alle leiden am gleichen Fehler – sie spielen entweder das Offensichtliche nach, oder sie verbiegen sich so weit ins Avantgardistische, dass vom Original nichts mehr übrig bleibt. Gregory Hutchinson, vom Jazz Magazine zum Schlagzeuger seiner Generation erklärt, macht keinen dieser Fehler. Und das verdient Respekt.
Hutchinson, geboren 1970 in Brooklyn, wenige Monate nach den legendären „Bitches Brew“-Sessions, hat für dieses Projekt bewusst die „deep cuts“ gewählt: Wayne Shorters „Fall“ und „Orbits“, das elektrisch-hypnotische „Feio“, das versonnene „Water Babies“ – Stücke, über die man nachdenken muss, bevor man sie wiedererkennt. „Ah-Leu-Cha“ eröffnet, ein Bebopklassiker, den Miles schon 1948 mit Charlie Parker aufgenommen hatte. Hier geht es um die gesamte Bandbreite eines Lebenswerks, von Bebop bis Fusion, und nicht um die Greatest-Hits-Kollekion.
Ja, man kennt die Stücke. Aber Coverversionen im Jazz sind das Normalste der Welt – schließlich ist der Standard die Grammatik, über die man überhaupt erst sprechen kann. Und diese Band gibt einem Grund zuzuhören: Ambrose Akinmusire, acht Jahre in Folge Downbeat Critics‘ Choice auf der Trompete, bringt nicht Miles-Kopie, sondern seine eigene Stimme mit. Gerald Clayton am Piano, Ron Blake an Saxophon und Bassklarinette, Jakob Bro mit Farbe und Atmosphäre an der Gitarre, Joe Sanders am Bass – das ist keine Studiocrew, das ist eine echte Band, die aufeinander hört.
Was das Album zusammenhält, sind Hutchinsons eigene Drum-Interludes, die das über einstündige Programm wie Bindfäden durchziehen. „This project is not about trying to recreate Miles“, sagt Hutchinson selbst. „It’s about continuing that conversation he started.“ Das hört man.

