Die Bühne ruft – und Hansard antwortet
Wir haben Glen Hansard hier schon öfter empfohlen – als er 2018 mit „Between Two Shores“ zeigte, wie man stimmliche Wucht und Folk-Seele verbindet, und zuletzt 2023 mit dem starken „All That Was East Is West Of Me Now“. Trotzdem hatte man immer das Gefühl: Das volle Bild bekommt man nur live. Wer ihn je auf einer Bühne erlebt hat, weiß, dass dieser Ire in einer anderen Liga spielt. Rau, brennend, restlos präsent – und unfähig, nur halb da zu sein.
„Don’t Settle (Transmissions East)“ ist die logische Konsequenz daraus. Aufgenommen im April 2025 – an Hansards 55. Geburtstag – über zwei Nächte im Berliner Funkhaus, dem legendären ehemaligen DDR-Rundfunkzentrum, vor 600 Menschen im Raum: kein zweiter Take, kein Autotune, keine Korrekturen. Einfach live, direkt, ohne Netz. Das Ergebnis ist das erste offizielle Solo-Live-Album seiner Karriere – und es klingt, als hätte man genau darauf gewartet.
Die zehn Songs spannen Hansards gesamtes Schaffen auf: Solo-Tracks wie das trotzig-mitreißende „Don’t Settle“ oder das apokalyptische „Down On Our Knees“ stehen neben The-Frames-Klassiker „Fitzcarraldo“ und dem Swell-Season-Stück „Back Broke“. Dazu die irische Volksballade „Carrickfergus“ – und Hansard macht daraus keine museale Rückschau, sondern etwas lebendig Gegenwärtiges. Die Band groovt, schwitzt und atmet mit ihm, der Sound hat diese warme Rauheit, die im Studio so schwer zu erreichen ist.
Das Funkhaus gibt dem Ganzen eine besondere Aura: viel Luft, viel Raum, viel Geschichte in den Wänden. Hansard sagt, Berlin zwinge einen zur Ehrlichkeit. Man glaubt es ihm. „Transmissions West“ soll noch 2026 folgen – aber bis dahin ist „Transmissions East“ schlicht das beste Glen-Hansard-Album, das man sich gerade vorstellen kann.

