Die malische Superstimme öffnet ihr Herz
Es gibt diese Stimmen, die man nicht vergisst. Fatoumata Diawara hat so eine, kehlig, kraftvoll, voller Geschichte – seit ihrem Gastauftritt bei den Gorillaz kennt man sie auch jenseits der Worldmusic-Bubble. Mit „Massa“ (Bambara für „Der/Die Ewige“) legt die Grammy-nominierte Sängerin, Gitarristin und Schauspielerin nun ihr persönlichstes Album vor, und das hört man in jeder Zeile. Wieder steht ihr der französische Pop-Architekt Matthieu Chedid alias -M- zur Seite, der nach „London Ko“ (2023, damals noch gemeinsam mit Damon Albarn produziert) hier die volle künstlerische Leitung übernimmt – und Diawaras Klangwelt konsequent in Richtung Pop weiterdenkt, ohne sie ihrer malischen Wurzeln zu entkleiden.
Die zwölf Songs kreisen um Mutterschaft, Glauben, Erinnerung, Verlust. Am eindringlichsten gelingt das im Herzstück „Tati Bakary“, benannt nach ihrem verstorbenen Vater – ein Lied wie ein Brief über die Grenze des Todes hinweg, getragen von der Donso Ngoni, der Jagdharfe ihrer malischen Heimat. Auch „Denko“ geht unter die Haut: leise, fast kammermusikalisch erzählt Diawara hier von der Einsamkeit von Müttern behinderter Kinder. Dazwischen aber auch Songs wie „Mogo“, die mit fast Daft-Punk-haftem Funk-Groove und dem hörbaren Geist des verstorbenen Amadou Bagayoko (Amadou & Mariam) auch tanzbar bleiben, oder die Single „Sigui“, die mit hypnotischen Rhythmen und beißenden die stille Erosion polygamer Familienstrukturen verhandelt.
„Massa“ ist glatter produziert, mehr Pop als die Vorgänger. Aber das alleine übersieht, was hier eigentlich passiert: „Massa“ will gar kein Worldmusic-Album im klassischen Sinn sein. Es ist ein Popalbum, das zufällig in Bambara gesungen wird – und genau das macht es zu einem mutigen, eigenständigen Statement.

