Eine Coverplatte, die mehr über eine Band erzählt als jedes Originalalbum
Banause, ich? Mag sein. Aber ehrlich: Wenn eine Platte mir Türen zu Edgar Blanchard oder Kiki Cavazos aufstößt, von denen ich vorher schlicht nichts wusste, dann ist das die beste Werbung für Coverversionen, die ich mir vorstellen kann. The Deslondes aus New Orleans haben mit „Don’t Let It Die: Vol. 1″ kein gewöhnliches Tribute-Album gemacht, sondern eine Landkarte ihrer eigenen musikalischen DNA. Zwölf Songs, aufgeteilt zwischen den fünf Bandmitgliedern, die sich seit jeher Songwriting und Lead-Gesang demokratisch teilen – und das Ergebnis klingt erstaunlich aus einem Guss.
Aufgenommen wurde im Januar 2025 ausgerechnet in jenem Haus auf der Deslonde Street, wo die Band einst entstand – und mittendrin überraschte ein historischer Schneesturm, der die fünf eine Woche lang einschneite. Das Ergebnis: eine Platte voller Nähe und Hausmusik-Atmosphäre. Der Opener „The World Beyond“ (Swamp Dogg) setzt mit warmen Harmonien den Ton, bevor Riley Downings dunkler Bariton bei „The Ballad of Boot Hill“ Johnny Cash eine angemessen düstere Reverenz erweist. Besonders schön: Wie selbstverständlich die Band zwischen Legenden und eigenen Wegbegleitern wechselt – Pat Reedy, Nick Woods und The Kernal bekommen hier denselben liebevollen Zugriff wie ihre großen Vorbilder. Bei Clifton Cheniers „I’m Coming Home“ tauschen sie das Akkordeon gegen Kontrabass und verlangsamen das Tempo bis zur Beklemmung, bei „Lawdy Mama“ gräbt Downing eine über zwanzig Jahre unveröffentlicht gebliebene Chess-Single von Edgar Blanchard aus und lässt sie mit Bläsern und einem One-Note-Gitarrensolo explodieren.
Was diese Platte über bloße Nostalgie hinaushebt, ist ihr Gemeinschaftsgedanke: Sie feiert nicht nur Helden, sondern auch Freunde, Tourpartner, Mitstreiter*innen. „Don’t Let It Die“ ist tatsächlich ein viel besserer Titel als man zunächst denkt: Hier wird nichts museal konserviert, sondern mit Hingabe weitergetragen.

