Musik, die man hinter dem Steuer erfindet
Philip Lupton und Truett Heintzelman, das Duo hinter Briscoe aus Austin, Texas, haben ihre Musik buchstäblich auf der Straße erfunden. Nach dem Debüt „West Of It All“ verbrachten sie ein Jahr damit, das Land zu durchqueren – besonders den Südwesten –, mit dem Van voller Ausrüstung und Bandmitgliedern, und neue Songs entstanden bei 130 km/h irgendwo zwischen Canyon und Mesa. Das Ergebnis ist „Heat of July“ klingt tatsächlich so: weit, warm, nach offener Landschaft und nach Zuhause gleichzeitig.
Das Album ist auch ein Schnappschuss der großen Veränderungen im Leben der beiden: Beide haben ihre langjährigen Partnerinnen geheiratet, und Gedanken an Familie und Heimat fließen durch jeden Song. „Roughnecks“ etwa erzählt von Truetts Urgroßvater, der aus Oklahoma in die texanischen Ölfelder aufbrach – Bluegrass-Fiddle inbegriffen. „Adeline“ ist Roadhouse-Rock mit Mundharmonika und Upright-Piano, eine Liebeserklärung an Heintzelmans Frau. Und „Blue Eyes And Red Wine“ – gleich zu Beginn mit wimmernder Harp und duellierenden Gitarren – trifft genau den Moment, den du dir an einem langen Sommerabend auf der Terrasse wünschst.
Produzent Brad Cook hat eine beeindruckende Besetzung versammelt: Phil Cook an Banjo, Dobro und Piano, Libby Rodenbough (Watchhouse) an Fiddle und Viola, Matthew McCaughan an Schlagzeug – Musiker, die man aus dem Umfeld von Bon Iver und Hiss Golden Messenger kennt. Das verleiht „Heat of July“ eine Tiefe, die man dem Album bei aller Eingängigkeit zunächst gar nicht zutraut.
Für den Sonnenunter- oder -aufgang auf der Terrasse? Absolut. Aber das hier hat auch Substanz für den zweiten und dritten Durchgang. Einfach laufen lassen.

