Ein Album wie ein offenes Haus, in das man alle einlädt
„We Are Together Again“ ist genau jetzt, genau für diesen Moment gemacht. Will Oldham, seit Jahrzehnten unter dem Namen Bonnie „Prince“ Billy eine eigenwillige, unverzichtbare Stimme im amerikanischen Folk und Indie. Es fühlt sich an, als hätte er die Fenster weit aufgerissen und die ganze Nachbarschaft reingerufen. Das Konzept ist so einfach wie überzeugend: Aufgenommen in Louisville, Kentucky, Oldhams Heimatstadt, im Studio End of an Ear, mit lokalen Musikerinnen, alten Freundinnen, Familienmitgliedern. Bruder Ned spielt zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder Bass. Cousin Ryder McNair liefert Streicherarrangements, die dem Album eine fast cinematografische Weite geben. Die drei Frontsängerinnen von Duchess umhüllen Oldhams Stimme mit vielstimmigen Harmonien. Das Album öffnet und schließt mit Variationen desselben Stücks: „Why Is the Lion?“ und „Bride of the Lion“ rahmen zehn Songs ein, die von Gemeinschaft, Angst, Hoffnung und dem Trotz des Zusammenhaltens handeln. Dazwischen liegen Songs, die unter die Haut gehen: „They Keep Trying to Find You“, die erste Single, ein ergreifendes Stück über Beharrlichkeit; „Strange Trouble“, das die Ungewissheit des Wandels in ruhige Schönheit kleidet; „The Children Are Sick“, wo sich mehrere Stimmen gegenseitig tragen und in der Mehrstimmigkeit etwas wie kollektiver Trost entsteht. Der Sound ist warm, direkt, unverfälscht – kein Hochglanz, aber auch kein demonstratives Roh-Sein. Flöte, Saxofon, Streicher, Harfe, sogar ein Moog-Synthesizer – das klingt nach viel und nach nichts Überflüssigem zugleich. „We Are Together Again“ ist Oldhams symphonischstes Album, aber nie aufdringlich. Es ist ein Album gegen die Vereinzelung, gegen die Lähmung. Und bei aller Schwere wirkt es nicht erdrückend, sondern seltsam befreiend. Hier ist jemand, der seit über dreißig Jahren Alben macht und immer noch wirklich was zu sagen hat.

