Wintersleep haben die Wüste überlebt
Sechs Jahre Pause. Dann die Mojave-Wüste. Und ein Album, das klingt, als hätten Wintersleep den Reset-Knopf gedrückt. Die fünf Kanadier aus Nova Scotia, die seit über zwanzig Jahren zusammen Musik machen, hätten es sich einfach machen können: ein solides Indie-Rock-Album nach bewährtem Rezept. Stattdessen checken sie mit Produzent Nicolas Vernhes (The War on Drugs, Spoon) im Studio mitten in der Wüste ein, spielen live zusammen im Raum und lassen ihre kollektive Intuition die Musik formen. Das hört man.
„Wishing Moon“ klingt lebendig auf eine Art, die man sich nicht ausdenken kann – das muss passieren. Der Opener und Titeltrack setzt die Stimmung: Wärme, Weite, eine Band, die sich ihrer Stärken bewusst ist, aber trotzdem etwas riskiert. Die Lead-Single „I Got A Feeling“ ist dann der eigentliche Ansprung: ein Garage-Rock-Riff, das sich aufbaut wie ein Gewittersturm, bevor der Chorus explodiert. Paul Murphy singt „I got a feeling the well won’t ever dry“ – und man glaubt ihm sofort. Das hat nichts Aufgesetztes, das ist echter Optimismus.
Was „Wishing Moon“ von seinen Vorgängern unterscheidet, ist diese neu gewonnene Direktheit. Weniger Melancholie, mehr Druck, mehr Groove. „My Mind Always“ schaukelt hypnotisch auf einem schrägen Akustikriff, „Abyss“ galoppiert im Dur-Gewand in den Weltuntergang – „We’re living in the abyss now / In the life affirming bliss!“ Das Clash Magazine nennt die Band schlicht „at their peak“, und wer reinhört, versteht warum. Eine Band, die nach mehr als zwei Jahrzehnten noch so klingen will wie das hier – das ist kein Zufall. Das ist Haltung.

