Der Banjo-Gipfel: Jung trifft Alt, und beide gewinnen
Man muss das kurz sacken lassen: Während der Pandemie bekommt Tony Trischka, seit mehr als sechs Jahrzehnten einer der bedeutendsten Banjo-Spieler Amerikas, einen USB-Stick in den Briefkasten. Darauf: hunderte unveröffentlichte Mitschnitte von Earl Scruggs und John Hartford, die sie in den 80er und 90er Jahren privat zu Hause eingespielt haben. Intime, entspannte Sessions, fern jeder Bühneninszenierung. Trischka transkribiert jedes Solo, lernt jede Wendung, taucht intensiv ein – und entscheidet dann, diesen Schatz zu teilen. Das erste „Earl Jam“-Album wurde Grammy-nominiert. Und jetzt, mit 15 weiteren Aufnahmen aus denselben Tapes, liegt „Earl Jam 2″ vor uns.
Das Gepicke, das dich sofort erwischt, ist kein sentimentaler Rückblick. Trischka macht daraus etwas Lebendiges, Gegenwärtiges – und holt sich dafür die besten Freunde ins Studio: Billy Strings für ein magisches „Gentle On My Mind“, Del und Ronnie McCoury für ein furios aufgedrehtes „Columbus Stockade Blues“, Molly Tuttle für ein zartes „Red River Valley“, Sierra Ferrell für ein inniges „I Still Miss Someone“. Jede*r bringt die eigene Stimme mit, und trotzdem zieht sich Scruggs‘ Geist wie ein roter Faden durch alle 15 Songs.
Wer das als hinterwäldlerisch abtut, kann gerne zur nächsten Empfehlung springen. Für alle anderen: Hier ist eine Musik, die weiß, wo sie herkommt, und trotzdem vollkommen im Jetzt lebt. Kein Museum, kein Staub – ein echtes Gespräch zwischen Generationen, getragen von handwerklicher Meisterschaft und echter Zuneigung zur Tradition. Schöner wird’s kaum.

