Schwestern, Indie-Rock und eine sehr schöne Überraschung im Jahr
Dieses Album tauchte einfach auf – kein Hype, keine Promo-Maschinerie, nur: hier sind wir. „Wir“, das sind Katie und Allison Crutchfield, 36-jährige Zwillingsschwestern aus Alabama, die seit Teenagertagen gemeinsam Musik machen, sich dann jahrelang um ihre Soloprojekte (Katie als Waxahatchee, Allison bei Swearin‘) gekümmert haben – und sich jetzt, flankiert von MJ Lenderman und Brad Cook, unter dem Bandnamen Snocaps wiedergefunden haben.
Das Ergebnis klingt so, als hätten zwei Leute, die sich seit ihrer Kindheit in- und auswendig kennen, beschlossen, einfach Musik zu machen, weil sie Lust drauf haben. Keine Verpflichtungen, kein Label-Druck, keine fünfjährige Release-Strategie. Genau das hört man. „Snocaps“ ist federnder, knackiger Indie-Rock mit einem Herz wie ein Brennofen – 13 Songs in gut 34 Minuten, aufgenommen in wenigen Tagen im April. Lenderman, der schon auf Waxahatchees „Tigers Blood“ glänzte, liefert hier schrammelnde Gitarrenarbeit und knalliges Drumming, Cook produziert mit der nötigen Trockenheit und Wärme.
Was das Album besonders macht: die zwei Stimmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich trotzdem – oder genau deswegen – so wunderbar ergänzen. Katie, die Wortakrobatin mit dem lyrischen Weitblick, trifft auf Allisons melodischen Instinkt und unmittelbares Gespür für den perfekten Hook. Songs wie „Wasteland“, „Doom“ oder „Over Our Heads“ zeigen, warum hier keine Nachwuchskünstlerinnen am Werk sind, sondern zwei Songwriterinnen auf der Höhe ihres Könnens – die mal eben so nebenbei eines der aufregendsten Indie-Rock-Alben des Jahres aufnehmen.

