Eine Frau, ihr Campingbus und ein mutiges Folk-Album
Manchmal braucht es einen Umweg, um nach Hause zu finden. Jesca Hoop, die in Kalifornien geborene, seit Jahren in Manchester lebende Songschreiberin, hat für ihr siebtes Album buchstäblich einen gemacht: Mit einem Campingbus fuhr sie durch England, buchte Studios in London, Bristol, Manchester und auf der Isle of Wight, und produzierte das Album – zum ersten Mal in ihrer Karriere – komplett selbst. „It became clear that if I was going to grow in the craft, I needed to become my own lighthouse“, sagt sie. Das hört man.
„Long Wave Home“ ist ein Album, das schwer zu fassen ist – und genau darin liegt seine Stärke. Folk ist es nur im weitesten Sinne. Opener „Adam“ beginnt mit zupfender Gitarre, Klarinette und Harfe, bevor Hoops Stimme einsetzt: ungewöhnlich, leicht rau, von Obertönen durchzogen, mit Backgroundharmonien unterlegt, die klingen, als kämen sie aus einer anderen Welt. „Big Storm“ hat einen Country-Groove, der fast maschinell wirkt – und doch kommt er von Sebastian Rochford am Schlagzeug. „Love Is Salvation“ könnte Joni Mitchell in einer jazzig-trotzigen Stimmung sein. Und „Designer Citizen“, die erste Single, nimmt den politischen Zeitgeist aufs Korn mit einer Eingängigkeit, die fast verdächtig wirkt: „Gonna laugh as I’m losing my country“ – Hoop kann wütend sein, ohne die Ironie zu verlieren.
Sam Amidon an Saiteninstrumenten, Jon Thorne am Bass, Brass-Arrangements von Jesse D Vernon – die Band klingt, als hätte Hoop genau die richtigen Menschen in den richtigen Momenten getroffen. „Playground“ ist ein Protestsong für die Kinder in Gaza, hart und arabesk, „Caravan“ ein zärtliches Liebeslied, der Titeltrack ein tröstliches Finale: „You’re not alone / long waves are carrying you all the way home.”

