Manche Musik wartet einfach auf ihren Moment
Damals, 2010, haben wir „Forgiveness Rock Record“ als „Muss für jeden Indie-Rock-Fan“ empfohlen – und uns damit keineswegs zu weit aus dem Fenster gelehnt. Seitdem ist es ruhiger geworden um das Torontoner Kollektiv. Nicht still, aber ruhiger. Und dann, fast neun Jahre nach „Hug Of Thunder“, erscheint „Remember The Humans“ – und es fühlt sich an wie die Rückkehr einer alten Freundesgruppe, die man vermisst hat, ohne es so genau gewusst zu haben.
Was dieses Album von einem reinen Nostalgietrip unterscheidet, ist die Energie. Opener „Not Around Anymore“ schiebt sich mit majestätischen Bläsern und einem sanft federnden Groove herein, Kevin Drew singt „there’s no need to fight here anymore“ – und man glaubt ihm sofort. Kein Auftrumpfen, kein Beweisen. Nur diese typische BSS-Qualität, Enormes ganz selbstverständlich klingen zu lassen.
Entscheidend für den Klang ist die Rückkehr von Produzent David Newfeld, der bereits „You Forgot It In People“ und das selbstbetitelte Album von 2005 geprägt hat. Sein Gespür für Tiefe im Detail – Drums, die durch den Stereoraum treiben, Stimmen, die sich um Gitarren schlingen – gibt dem Album seine charakteristische Wärme. Dazu kehren Feist und Hannah Georgas zurück und hinterlassen deutliche Spuren: „Paying For Your Love“ explodiert wie eine Indie-E-Street-Band in Vollgas, während das nachdenkliche „What Happens Next“ in Feists Händen zu einem zarten Seufzer wird.
Ja, es gibt Momente, die etwas Geduld verlangen. Die meditativeren, ruhigeren Stücke des Albums öffnen sich nicht beim ersten Hören. Aber genau das ist vielleicht der ehrlichste Satz, den man über „Remember The Humans“ sagen kann: Es ist kein Album für den schnellen Konsum. Es ist eines für die Kopfhörer um Mitternacht. Und dort entfaltet es eine Kraft, die lange nachwirkt.

