Alte Freunde auf neuen Wegen
Ein paar von euch durften ja Teile dieses Albums schon live bei der Abschiedssause im Bongartz erleben und haben da schon bemerkt: Manchmal ändert sich eine Band so sehr, dass man kurz meint, jemand ganz anderen vor sich zu haben – und dann in dieser Veränderung merkt, dass man die Band besser kennt als je zuvor. The Moonband aus München, Freunde aus den allerersten Tagen, haben mit ihrem sechsten Album den Mut zur Metamorphose bewiesen – und sind sich dabei selbst treu geblieben. Synthesizer und Ukulele als Soundtrack zur Paartherapie, nennt die Presseinfo das augenzwinkernd. Tatsächlich haben sich The Moonband mit Produzent Markus Harbauer einer ordentlichen Groove-Kur unterzogen. Wo früher vornehmlich akustische Instrumente den Ton angaben, mischen sich nun Flächen und Synthesizer ins Geschehen. Dennoch: Die DNA bleibt unverkennbar. Mandoline, mehrstimmige Gesänge, dieser typische folkige Schmelz – all das ist noch da. Nur eben eingebettet in ein tanzbareres Gewand, das die Band zwischen Nachtleben und Privatsphäre verortet. Aufgenommen wurde “Relations” in einem alten Holzhaus weit draußen, jeder Song in einem Rutsch. Man hört es den Songs an, diese organische Wärme, die elektronische Beats und mehrstimmigen Harmoniegesang auf wundersame Weise vereint. Inhaltlich geht es auf „Relations“ ans Eingemachte. Wilde Hunde in den dunkleren Ecken der Existenz, unerträgliche Einsamkeit, Gedanken über Sterblichkeit – The Moonband sind reifer geworden und scheuen sich nicht, das auch zu zeigen. Auf dem Cover zeigen sich die Bandmitglieder erstmals selbst, mit Fältchen und grauen Strähnen, ehrlich und ungeschönt. Songs wie „Considering Death“ oder „Micro Situation“ stellen unbequeme Fragen, während „Wild Dog“ und „Bonfire Secrets“ beweisen, dass man auch über schwere Themen tanzen kann. Es ist Musik für Menschen, die sich mit zwischenmenschlichen Konflikten herumschlagen, die ehrlich zu sich selbst und ihren Freunden sein wollen – und trotzdem lieber tanzen als grübeln. Das Schöne daran: The Moonband schaffen es, melancholische Texte in hoffnungsvolle Harmonien zu betten, die nicht langweilen, weil immer wieder auch eine E-Gitarre für Rock-Appeal sorgt. Americana aus Bayern: traumhaft, abendlich, ehrlich. „Relations“ ist nichts für den ersten Kuss, sondern ein Album für echte Beziehungen. Und genau deshalb ist es großartig.
Ihr könnt The Moonband morgen (Samstag, 29.11.2025) zusammen mit Point & Die Spielverderber zur doppelten Albumpräsentation im E-Werk sehen. Verpasst es nicht!

