Ein lebensbejahender Gegenentwurf zu unserer zynischen Welt
Wer schon mal eine E-Mail von mir bekommen hat, ist vielleicht über einen kleinen Footer gestolpert, den ich immer wieder verwende: „Das Leben ist manchmal scheiße, aber solange Musik läuft, geht’s eigentlich“. Besonders gut geht’s im Moment, wenn „Weltaufgangsprophet“ läuft. Nach dem eher rockigen „Wildblumen“-Album kommen Point und seine Spielverderber auf ihrem siebten Album im allerbesten Sinne hippiesk daher. Und nein, das bedeutet keinesfalls, dass es keine E-Gitarren mehr gibt oder – noch schlimmer – die Musik nicht losgeht. Im Gegenteil: Mit viel Mut zu Spontanität und Improvisation bildet dieser quasi live im Studio eingespielte „Weltaufgangsprophet“ einen wunderbaren und lebensbejahenden Gegenentwurf zu unserer fatalistischen und zynischen Welt. Die Popkultur übernimmt also eine ihrer Kernkompetenzen. Die Spielverderber spielen super lecker und immer ganz nah am Song, alle Soli sind extrem geschmackvoll, diese neun neuen Songs haben immer wieder echte Hitqualitäten („Nichts was man verspricht“, „Gleitsichtbrille“). Und wenn Point richtig loslässt, bekommt sein Gesang etwas fast Van-Morrison-artiges. Aber was „Weltaufgangsprophet“ zu einem wirklich besonderen Album macht, ist Points immer besser werdende Kunst des Textens. Klug, ehrlich, nah am echten Leben und ohne Scheu, Dinge beim Namen zu nennen. Point verschweigt nicht, dass es wirklich genug Gründe gibt, an der Menschheit zu verzweifeln oder an den Fatalisten zu zerbrechen. Aber er setzt all dem das vor Liebe strotzende, schöne Leben entgegen: „Was bleibt uns außer sehenden Auges blind zu vertrauen? / Was bliebe uns wären wir zu vernünftig um Luftschlösser zu bauen?“ oder natürlich „Liebe ist eine Tatsache / und nichts was man verspricht“. Und wenn das Album dann mit „Engel auf’m Dach“ zu Ende geht und wir noch über „Du stehst auf dem Gehsteig und fragst nach dem Bahnhof / und wirst eingeladen zu ’ner Reise nach Oslo“ sinnieren, bleibt nichts als nochmal auf „Start“ zu drücken. Ja, das Leben ist manchmal scheiße, aber solange „Weltaufgangsprophet“ läuft, geht’s eigentlich.
Am 29.11.2025 gibt es um 20:00 Uhr auf der Kellerbühne im Erlanger E-Wert ein Live-Double-Feature: Point & Die Spielverderber X The Moonband. Beide präsentieren ihre neuen Alben live. This is a MUST GO!
Ihr bekommt das Album bei den von uns empfohlenen Plattenläden und bei den Spielverderbern direkt unter

