Mit 86 Jahren liefert die Soul-Legende ein sehr persönliches Album
Mavis Staples, Ikone der Bürgerrechtsbewegung, Gospel- und Soul-Legende, hatte 2023 kurz mit dem Gedanken gespielt, in Rente zu gehen. Zum Glück hat sie es nicht getan. Ihr neues Album ist ein Cover-Album und gleichzeitig eines ihrer persönlichsten: Zehn Songs von Tom Waits über Leonard Cohen und Gillian Welch bis zu Kevin Morby und dem verstorbenen Mark Linkous, dazu ein von Hozier und Allison Russell speziell für sie geschriebenes Original. Was auf dem Papier wie eine Sammlung klingen mag, entpuppt sich als zutiefst kohärentes, berührendes Statement. Produzent Brad Cook (Waxahatchee, Bon Iver) hat verstanden, dass hier niemand Mavis Staples die Show stehlen darf – und tut es auch nicht. Selbst die hochkarätigen Gäste wie Buddy Guy, Derek Trucks, Bonnie Raitt, Jeff Tweedy oder MJ Lenderman fügen sich respektvoll ein. Die Arrangements sind luftig, warm, organisch, sie lassen Raum für das einzig Wichtige: Diese Stimme, rauer geworden, körniger, aber immer noch voller Kraft und Würde. Wenn Staples den Titeltrack singt, hört man die Weltmüdigkeit in jedem Wort, aber auch die Entschlossenheit weiterzumachen. Und wenn sie in Cohens „Anthem“ „They’re going to hear from me“ singt, dann glaubt man ihr jedes einzelne Wort. „Sad and Beautiful World“ ist kein Album der lauten Rebellion, sondern der stillen Beharrlichkeit. Es sagt: Ja, die Zeiten sind hart, aber solange wir uns nicht von der Angst regieren lassen, solange wir einander nicht vergessen, gibt es Hoffnung. Oder wie Mavis es ausdrückt: „I find good in us, sometimes.“

