Feminismus in Soul, Gospel und elektronischen Beats
Dass Wut ein Privileg ist, das Frauen historisch verwehrt wurde, ist keine neue Erkenntnis – aber Imany macht daraus ein ganzes Album und klingt dabei so, als hätte sie endlich die Erlaubnis bekommen, all das rauszulassen, was sich jahrelang angestaut hat. Die französisch-komorische Sängerin, die bisher eher für sanften Soul bekannt war, dreht auf „Women Deserve Rage“ den Regler nach oben: Gospel-Chöre treffen auf elektronische Beats, ihre Stimme wechselt zwischen zärtlich und messerscharf, während sie über Körperautonomie, toxische Männlichkeit und die Erschöpfung des Frauseins singt. Das ist kein Album für den gemütlichen Sonntagnachmittag, sondern für den Moment, in dem man endlich ausspricht, was sonst immer höflich verschwiegen wird. Manchmal wirkt die Botschaft größer als die Songs selbst, aber genau diese Ungeschliffenheit macht „Women Deserve Rage“ so ehrlich – hier singt jemand für alle, die schon immer wussten: Wut ist keine Schwäche, sie ist überfällig.

