Soloklavier und ich mag’s
Wahrscheinlich werde ich alt, weich oder vielleicht beides. Ich, der das (vorsicht, folgende Aussage könnte einen Teil der Bevölkerung verstören) “Köln Konzert” immer für die Büchse der Pandora gehalten hat, die Keith J. geöffnet hat, um jedem Pianisten dieser Welt eine unübersehbare Fülle von Veröffentlichungen beliebiger Solo-Klavier-Melodien zu ermöglichen. Ich, der jede einzelne Note einer klassischen Etüde und sowieso von Beethovens Sonaten um so viel bewegender empfindet als Ludovico Einaudis komplettes Oeuvre. Genau ich sitze jetzt hier, höre Bill Laurance’ “Lumen”, eine Sammlung von Solo-Klavier-Melodien und bin berührt. Das kann ich jetzt so hinnehmen oder ich muss mal wieder das gepflegte Gebäude meiner Vorurteile über Bord werfen und auf musikalische Entdeckungsreise gehen. Das passierte in meiner musikalischen Vergangenheit schon öfter als mir lieb ist und ist dann auch immer wieder spannend. Wir werden sehen. Jedenfalls behaupte ich folgendes: Alle, die mir im oberen Teil dieses Textes vehement widersprechen, werden das Solo-Werk des Snarky-Puppy-Pianisten ganz sicher lieben. Für alle anderen: Perhaps it’s a gamechanger.

