Wenn Laurel Canyon noch einmal die Türen öffnet
„Wandering Star“ von Haylie Davis klingt, als wäre eine verloren geglaubte Platte aus den frühen Siebzigern wiederentdeckt worden. Aus der Zeit, als Carole King und Joni Mitchell das Songwriting für immer veränderten. Davis, in Nordkalifornien aufgewachsen, in Los Angeles sesshaft geworden, hat sich genau dieses musikalische Erbe zu eigen gemacht.
Der Titelsong „Wandering Star“ ist eine vom Klavier getragene Meditation, in der ein fragiler Hauch von Karen Carpenter mitschwingt. „Horns Of Time“ wiederum schlägt eine kosmische Country-Note an, die stark an Emmylou Harris erinnert, während „Give Me a Rainbow“ als verträumte Lo-Fi-Folk-Nummer daherkommt, fast wie Dolly Parton auf der Hinterveranda. Der Opener „Country Boy“, live in einem einzigen Take eingespielt, trägt eine schmerzvolle Steel-Guitar und erzählt von Einsamkeit und Aufbruch in Richtung Westen – universell genug, um weit über Davis‘ eigene Geschichte hinauszuwirken.
Was dieses Album besonders macht, ist sein Selbstbewusstsein. Es fühlt sich nicht an wie eine Einführung, sondern wie eine Ankunft. Davis bringt ihre Einflüsse – Gram Parsons, Joni Mitchell, die ganze Westcoast-Tradition – mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit zusammen, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren.
Das hier klingt tatsächlich wie eine Platte direkt aus jenen Westcoast-Tagen, die unsere musikalische DNA geprägt haben. Eine Stimme zwischen Stärke und Verletzlichkeit, Songs, die zwischen Folk, Country und sanftem Pop wandern, ohne jemals ihre Mitte zu verlieren. „Wandering Star“ ist ein Debüt, das man sich anhören muss, um zu verstehen, warum dieser Vergleich keine Übertreibung ist.

