Das Rocky-Mountain-Debüt, auf das man fünf Jahre gewartet hat
Sechs Typen aus Denver, Colorado, treffen sich 2021 in einer Kneipe ein paar Häuser von der Clay Street entfernt, musizieren die ganze Nacht, buchen einen Gig — und fünf Jahre später geben sie ihr Debüt in der Grand Ole Opry. Diese Geschichte klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber Clay Street Unit sind eben eine dieser Bands, die einfach passieren: organisch, unaufhaltsam, und mit Musik, die man nicht erfinden kann.
„Sin & Squalor“ ist ihr langersehntes erstes Album, produziert von Chris Pandolfi von den Infamous Stringdusters. Die sechs Musiker bringen ihre Herkunft mit und das hört man: Das ist weder reiner Bluegrass noch klassischer Country, sondern irgendwas dazwischen, mit Mandoline, Banjo, Pedal Steel und einer Stimme, die Sam Walker offenbar mitgebracht hat von den Kirchenchören seiner Großmutter in Alabama. Eine Stimme wie eingelaufenes Leder, weich und trotzdem belastbar.
Die Songs handeln von dem, was immer zählt: zu lange unterwegs sein, von jemandem nicht loskommen, Miete die zu hoch ist und trotzdem noch Weed übrig. Titelgebend ist der beiläufige Songtext aus „Let’s Get Stoned“: „Sin and squalor’s what your Mama said / I’ll keep the job and you keep us fed.“ Genau dort sitzt diese Platte: im echten Leben, mit Humor und Herz. „Choctaw County“ mit Gast-Sängerin Lindsay Lou ist das zärtlichste Stück, „Where Have You Gone?“ das drängendste, und „Freightline Blues“ der schönste Beweis, dass diese Band gar nicht erst so tut, als wäre Bluegrass-Tradition etwas, für das man sich schämen müsste.

