Manchmal darf Musik einfach nur Freude machen
Man könnte sich die Augen reiben und nochmal auf’s Erscheinungsjahr schauen. 2026? Wirklich? Brian und Michael D’Addario, die beiden Lemon Twigs aus Long Island, haben schon auf ihren letzten Alben demonstriert, dass sie in einer Parallelwelt zuhause sind – einem fröhlichen Pepperland aus Jingle-Jangle-Gitarren, mehrstimmigem Gesang und Melodien, die klingen, als hätte man sie schon immer gekannt. Mit „Look For Your Mind!“ legen sie nun das dritte Album in Folge für Captured Tracks vor, und es ist das bisher fokussierteste Kapitel dieser neuen Ära.
Nennt es Eskapismus. Aber manchmal tut so eine Musik einfach gut. In einer Welt, die sich gerne zu abgeklärt gibt, ist diese unverschämte Unbekümmertheit fast schon ein politischer Akt. Ein bisschen Kinks, ein bisschen Beach Boys, frühe Beatles, Buddy Holly, Duane Eddy – und alles klingt so frisch, als wäre es gerade erfunden worden. Der Opener und Titeltrack führt einen sofort in diesen gitarrengetriebenen Harmonie-Kosmos, „I Just Can’t Get Over Losing You“ ist ein derart makellos gebauter 60s-Pop-Song, dass er auf dem Ed Sullivan Show-Archivband verschwinden könnte, und „Bring You Down“ klingt wie ein Cavern-Club-Mitschnitt von 1962. Wobei das täuscht: Unter der poppigen Oberfläche steckt bei diesem Album mehr als man zunächst vermutet. „Gather Round“ mit seinen festlichen Bläsern ist musikalisch opulent und herrlich 1967 – die Stimmung aber ist unverkennbar 2026.
Neu ist, dass die Brüder diesmal ihre Live-Mitglieder Reza Matin und Danny Ayala sowie Eva Chambers von Tchotchke ins Studio geholt haben. Das Ergebnis: mehr Luft und mehr kollektiver Geist, dafür weniger Studiobasteln. Alles, was hier gespielt wird, war schon mal da, aber nie so kunstvoll ineinander genäht wie auf diesem perfekten 60ies-Quilt. Einfach lächeln und Spaß haben.

