Wenn ein Chili Pepper die Trompete auspackt
Gut, Flea macht ein Soloalbum. Flea, der hyperaktive, seit Jahrzehnten ohne Hemd durch die Gegend springende Bassvirtuose der Red Hot Chili Peppers. Und dann auch noch Jazz. Kann das gut gehen? Die kurze Antwort: Ja. Die längere Antwort heißt „Honora“.
Michael Peter Balzary, so sein bürgerlicher Name, ist 63 Jahre alt, und dieses Solodebüt klingt kein bisschen nach einem Typ, der seinen Lebensabend einläutet – sondern nach einem, der endlich wieder zu sich findet. Die Trompete war seine erste große Liebe, lange bevor ihn ein gewisser Hillel Slovak auf den Bass und in Richtung RHCP-Legende katapultierte. Zwei Jahre lang übte er täglich, während die Peppers noch auf Welttournee waren. Das hört man – und zwar positiv: „Honora“ (benannt nach Fleas Ururgroßmutter) ist kein Vanity-Projekt, sondern ein ernstgemeintes, atmosphärisch dichtes Jazzalbum, das er mit einer hochkarätigen Crew aus dem Umfeld des Chicagoer International-Anthem-Labels aufgenommen hat: Gitarrist Jeff Parker (Tortoise), Kontrabassistin Anna Butterss, Saxofonist Josh Johnson (der auch produzierte), Drummer Deantoni Parks.
Das Ergebnis ist kein leichter Stoff. „A Plea“, fast acht Minuten lang, ist ein brodelnder Protestsong, in dem Flea gegen Hass und politische Verhärtung ankämpft, halb gesprochen, halb geschrien, das Kontrabass-Duell mit Butterss im Intro ein kleines Meisterstück. „Frailed“ dehnt sich auf knapp elf Minuten, psychedelisch und hypnotisch. Die Cover-Versionen – Funkadelics „Maggot Brain“, Frank Oceans „Thinkin Bout You“, „Wichita Lineman“ mit dem unwiderstehlich gravitätischen Nick Cave – sind keine Pflichtübungen, sondern echte Neuerfindungen. Dazu Thom Yorke auf „Traffic Lights“, der die Großstadthektik ätherisch grundiert. Das ist Musik, in die man eintaucht. Immer wieder. Und immer wieder anders auftaucht.

