Gewohnheitstier mit Wanderlust
Allein die Ankündigung eines neuen Courtney-Barnett-Albums lässt mich lächeln. Und wenn dann „Stay in Your Lane“ als erster Song aus den Boxen kommt – direkt, leicht störrisch, mit einem Bass, der keine Ausreden duldet – weiß man sofort: ja, die ist’s. Willkommen zurück.
„Creature of Habit“ ist ihr viertes Album, entstanden nach einem Umzug von Melbourne nach Los Angeles und dem Ende von Milk! Records, dem Label, das sie selbst mitgegründet hatte. Veränderung also auf ganzer Linie – und genau davon handelt die Platte. Nicht dramatisch, nicht selbstmitleidig, sondern mit der lässigen Selbstverständlichkeit, die Barnett zu einer der faszinierendsten Songschreiberinnen ihrer Generation macht. Wer sich in vertrauten Gleisen bewegt, macht sich irgendwann einen Reim darauf, dass es vielleicht Zeit für eine neue Strecke ist.
Musikalisch bleibt sie dabei ganz bei sich: der janglige Indierock, der sparsame, pointierte Gitarrenansatz, die Stimme, die klingt, als würde sie die Dinge im Gehen aufschreiben. Aber da ist mehr Raum als früher, mehr Schattierung. Produziert von John Congleton gemeinsam mit Stella Mozgawa (Warpaint) und Marta Salogni, klingt das Album etwas heller, luftiger, mit gelegentlichen Synth-Schichten und Momenten, die an Laurel-Canyon-Folk denken lassen. „Site Unseen“ mit Katie Crutchfield (Waxahatchee) als Gastsängerin gehört zum Feinsten, was beide je aufgenommen haben – zwei Stimmen, die sich kennen, ohne sich zu übertönen.
Barnetts Texte bleiben das, wofür man sie liebt: Alltag und Abgrund eng beieinander, immer etwas Ironie im Spiel, nie überladen. Auf „Mantis“ singt sie: „There’s no such thing as a perfect melody / But I keep searching every morning in the trees.“ Genau das. Diese Platte wird bei mir viel laufen. Und ein Konzert in der Nähe wäre jetzt noch schön.

