Der Chanson hat seinen neuen Dandy gefunden
Sam Sauvage kommt aus Boulogne-sur-Mer in Nordfrankreich, hat jahrelang in Bars und auf der Straße gespielt, und sein Debütalbum „Mesdames, Messieurs!“ klingt wie ein Abendessen mit Alain Bashung, das irgendwo zwischen zwei Gläsern Rotwein zu einem Konzert wird.
Der 25-Jährige – im zivilen Leben Hugo Brebion – schreibt, komponiert und produziert alles selbst, hier steckt viel Herzblut drin. Der Sound hangelt sich tief in die Ästhetik des 80er New Wave, Synthies mit Spannung, klare Rhythmen, ein bisschen Theatralik – aber die Texte sind weit schärfer als das Kostüm vermuten lässt. In „Avis de Tempête“ gibt er den ironischen Wettermoderator angesichts der Klimakrise, „Hypocrisie“ baut sich zu einer fast wütenden Anklage auf, „Il Pleut Des Femmes“ ist – trotz des verspielten Titels – ein ernstes, berührendes Lied über Femizide. Und dann wieder „Les Gens Qui Dansent (j’adore)“, ein 80er-Elektro-Pop-Ohrwurm, dem man einfach nicht entkommt.
Seine Stimme – tief, leicht rissig trägt alles, was diese dreizehn Songs brauchen. Selbstironie? Ja, reichlich: „J’Suis Pas Bo“ ist das vergnügteste Stück Selbstbeobachtung seit langem. Wer ein bisschen 80er Synth-Chanson für den nächsten Frankreichurlaub braucht – oder einfach nur mal wieder Lust hat in Anzug und Krawatte zu tanzen: Viel Spaß!

