Ein Grammy-Kandidat mit scharfer Zunge
Der Folk-Singer-Songwriter aus Arkansas macht keine halben Sachen: Für seinen Song „Horses“ ist Jesse Welles für den Grammy 2025 in der Kategorie „Best Americana Performance“ nominiert, Album-Nominierungen hat er gleich für zwei Veröffentlichungen – und das hat gute Gründe. Mit akustischer Gitarre, klarer Stimme und Texten, die keine Gefangenen machen, rechnet der 28-Jährige auf seinem Album „Middle“ mit Amerikas Militär-Industrial-Complex, Einwanderungspolitik und gesellschaftlicher Heuchelei ab. Jesse Welles ist allerdings im Songschreiben auch so schnell wie diese schnelllebige Welt. Das passt nicht zu den Automatismen der Musikindustrie, eher in die Welt des Internet. Sein Song „Join ICE“ legt den Finger in die Wunde – bitterböse, direkt, unbequem – auf’s Album geschafft hat er es nicht mehr. Wer Pete Seeger oder Woody Guthrie schätzt, aber zeitgemäßen Zorn sucht, ist hier richtig.
PS und wichtig: Dieses Album ist schon ein bisschen draußen und jetzt schon nur sehr schwierig zu bekommen. Im Stream lässt es sich hören, wer es physisch (wahrscheinlich am ehesten auf Vinyl) bekommen möchte, sollte mit mehr Geld als für normales Vinyl rechnen.

