Wo Schmäh auf Spielfreude trifft und dabei Großes entsteht
Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich die richtige Person bin, um über ein Wienerlied-Album zu schreiben – aber manchmal gibt’s keine Wahl, das hier ist einfach zu gut. „Sieben Zwetschken“ ist die dritte Kollaboration zwischen dem Duo Die Strottern und dem JazzWerkstatt Wien Kollektiv, und was hier passiert, ist weit mehr als eine brave Fusion zweier Genres. Das ist eine Liebeserklärung an Wien, an intelligente Texte und an die pure Freude am gemeinsamen Musizieren. Man hört es sofort: Diese neun Menschen haben sich gern, und genau das macht den Unterschied. Wo andere Crossover-Projekte verkrampft nach Legitimation suchen, groovt „Sieben Zwetschken“ mit unerträglicher Leichtigkeit durch komplexe Songstrukturen. Kein Instrument muss sich in den Vordergrund drängen, jede*r darf nach seiner Fasson glänzen – und wenn jemand pausiert, meint man fast, das Lächeln hören zu können. Die Texte stammen von Karl Stirner, Christian Tesak, der vielfachen Literaturpreisträgerin Teresa Präauer und dem Wiener Autor Lukas Meschik – allesamt Profis im intelligenten Schmäh, der nie aufgesetzt wirkt. Musikalisch bewegt sich das Album zwischen leisen Zwischentönen, nachdenklichen Grooves und hopertatschigen Walzern. Wienerlied meets Jazz – das klingt auf dem Papier nach Nischenprogramm, ist aber ein Album für alle, die Musik mit Herz und Hirn schätzen.

