Youn Sun Nah jenseits aller Schubladen
Manche Alben lassen sich nicht einordnen – und das ist ihr größtes Kompliment. „Lost Pieces“, das neue Werk der südkoreanischen Sängerin, Songwriterin und Komponistin Youn Sun Nah, ist so eines. Indie-Pop-Sensibilitäten treffen auf freies Jazz-Vokabular und Folk-Andeutungen, Blechbläser, Marimba und Streicher auf den industriell anmutenden Gitarrensound von „Shell Of Me“ – und mittendrin diese Stimme, die vom Flüstern bis zu explosiven Gutturallauten alles kann. Nah hat alle elf Songs selbst geschrieben und komponiert, das Ergebnis ist ein Album über Zweifel, Verlust und Selbstfindung, das am Ende – spätestens beim unterschwellig swingenden Abschlusstrack „WTH Is Love!“ – als Akt der Selbstermächtigung endet. Zurecht gilt sie dem Guardian als „style-bending star“.

