Verliebt, süffisant und bereit für die Tanzfläche
Nach dem Hype um ihr Debüt hätte so ziemlich alles schiefgehen können. Wet Leg waren 2022 die Band des Jahres – Grammys, Brit Awards, virale Hits wie „Chaise Longue“ und „Wet Dream“, Touren mit Harry Styles. Und jetzt? Machen Rhian Teasdale und Hester Chambers einfach weiter, als wäre das alles total normal. „Moisturizer“ heißt ihr zweites Album, und ja, der Titel ist genauso schräg wie alles, was die beiden (inzwischen sind es fünf) von der Isle of Wight bisher gemacht haben. Zur Coolness kommt nun auch noch ein guter Teil Süffisanz – und das funktioniert verdammt gut.
Das Album steckt voller Energie: Der Opener „CPR“ verwandelt Verliebtheit in einen medizinischen Notfall, „Catch These Fists“ ist ein Post-Punk-Knaller über nervige Typen in Clubs, und „Pillow Talk“ ist so dreckig und direkt, dass man fast rot wird. Aber „Moisturizer“ ist mehr als nur schnelle Hooks und sarkastische One-Liner. Teasdale steckt zum ersten Mal in einer Beziehung, und das Album ist voll von Liebesliedern – allerdings keine kitschigen, sondern welche, die so klingen, als würde man gleichzeitig die Augen rollen und seufzen. „So many creatures in the fucking world / How could I be your one? / Be your marshmallow worm?“ singt sie auf „Liquidize“. Oder auf „Davina McCall“, einer träumerischen Power-Pop-Nummer, die nach der britischen TV-Ikone benannt ist: „I’ll be your Shakira / Whenever, wherever.“ Das ist absurd, charmant und irgendwie total ehrlich.
Stilistisch springen Wet Leg munter zwischen New Wave, Grunge und Eighties-Synthpop hin und her. „Pokemon“ groovt wie ein vergessener Hit aus den Achtzigern, „Don’t Speak“ kracht wie Shoegaze-meets-Nineties-Indie, und „U and Me at Home“ ist eine ausgewachsene Britpop-Hymne. Auch für dieses zweite Album gilt: Alles aufdrehen und durch die Wohnung tanzen. Frisch, cool, macht Spaß.

