Die Zaubernummer aus Jazz und Americana
Manchmal braucht es nur elf Songs, um zu beweisen, dass das Zuhören – als echte Kunst – noch nicht gestorben ist. „Witness,“ der Eröffnungstrack, wird von einem subtilen New Orleans Brass-Sound punktiert, der Dr. John stolz machen würde. Wie geil ist das denn? Die Wood Brothers schaffen es mit ihrem neunten Album „Puff of Smoke“, gleichzeitig vertraut und überraschend zu klingen. „Dieses Album ist ein bisschen schizophren und eklektisch, und es geht in verschiedene Richtungen“, sagt Oliver Wood – und meint das als Kompliment. Zu Recht! Von lateinamerikanisch inspirierten akustischen Gitarrenlinien über treibende Post-Jazz-Rhythmen bis hin zu mitreißenden Sing-Along-Chören weben die Brüder ein musikalisches Geflecht, das knallt wie Cuba Libre auf nüchternen Magen. Das Titelstück serviert poetische Metaphern über Vergänglichkeit, während „Pray God Listens“ mit seinem chuggenden, semi-kubanischen Groove satirisch die riesigen Werbetafeln mit Gratis-Hotlines aufs Korn nimmt. „Selbst ein Song wie ‚Pray God Listens‘, der etwas humorvoll und zynisch ist, ist letztendlich ein Lied von Mitgefühl und Bescheidenheit“, erklärt Oliver Wood. Diese Balance zwischen Leichtigkeit und Tiefe – das ist pure Wood Brothers-DNA. Als das Trio im Studio saß und an einem Arrangement arbeitete, bestand ihr Toningenieur darauf, es spontan aufzunehmen – genau das landete auf der Platte. Diese Spontaneität hört ist eine Erinnerung daran, dass das Leben sowohl kostbar als auch prekär ist. Nach zwei Jahrzehnten gemeinsamer Studienarbeit haben Oliver und Chris Wood mit Schlagzeuger Jano Rix ihre miteinander verbundene, einzigartige Stimme zu telepathischen Dimensionen verfeinert. Das Ergebnis? Ein Album, das euch daran erinnert, warum Americana mehr ist als nur ein Genre – es ist eine Haltung. Noch Fragen? Anhören! Bitte!

