Wenn ein Freund nach 25 Jahren sein persönlichstes Album vorlegt
Es gibt so Bands, die gehören zum eigenen Leben wie der Lieblingsplattenladen. The Green Apple Sea aus Nürnberg sind so eine Band – sie haben zu unserer Abschiedsparty bei Bongartz – Musik in allen Formaten gespielt und sie machen seit einem Vierteljahrhundert Musik, die klingt, als wäre sie zeitlos und trotzdem genau jetzt geschrieben. „Dark Kid“ ist ihr fünftes Album und der lang erwartete Nachfolger von „Directions“ (2018), und es ist ihr persönlichstes: Sänger und Songwriter Stefan Prange erzählt darin episodisch von seiner nicht immer einfachen Kindheit und Jugend. Dass sein Stiefvater seinen Vater „Satan“ nannte, dass seine Stiefbrüder ihn mit dem Fahrradschloss ans Treppengeländer ketteten – all das erzählt Prange mit einer entwaffnenden Mischung aus pragmatischer Nüchternheit und warmherzigem Humor. Denn „Dark Kid“ ist kein Trauma-Album. Es ist ein Album der Versöhnung, der ausgestreckten Hand. Die zehn Songs sind angelegt wie Episoden einer Serie, vom Opener „Dark Kid (Ep.1)“ bis zum Abschluss „Dark Kid (Ep.9) (You Got This)“ – dazwischen liegt ein ganzes Leben, und mittendrin das wunderschöne „I Like Rain“ als stiller Ruhepol. Musikalisch bewegen sich The Green Apple Sea gewohnt souverän in ihrem warmen Americana-Folk-Rock-Kosmos, getragen von Christian „Wuschi“ Eberts dichter, liebevoller Produktion in den Lonestar Recordings und den wunderbaren mehrstimmigen Harmoniegesängen, die seit jeher ihr Markenzeichen sind. „Big Heart“ ist ein Song für alle, die lieber gar nichts sagen, als etwas Falsches – und trifft damit mitten ins Herz. The Green Apple Sea machen seit 25 Jahren Musik aus den richtigen Gründen. „Dark Kid“ ist der schönste Beweis dafür.

