Frankston’s Fab Four bringen den Bayside Beat
Eine Handvoll Teenager, ein Proberaum-Studio in einem Vorort von Melbourne und die unerschütterliche Überzeugung, dass wilder Garage-Rock niemals aus der Mode kommen wird. The Gnomes aus Frankston sind der lebende Beweis. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum klingt, als hätte England 1964-66 nie aufgehört zu existieren – und genau das macht es großartig. Dabei begann alles als Bedroom-Projekt: Jay Millar, damals noch Teenager, nahm unter dem Namen Gnome (Singular!) jahrelang Solo-Material auf und veröffentlichte es auf seinem eigenen Bandcamp-Label Goblin Records. Doch als Anfang 2025 seine „I Like It“ EP viral ging – über 50.000 Views dank einer spanischen Garage-Punk-YouTube-Seite – wurde klar: Das hier braucht eine echte Band. Millar holte Ned Capp (Gitarre), Olly Katsianis (Bass) und Ethan Robins (Drums) aus dem lokalen Singing Bird Studios-Kosmos dazu. Aus Gnome wurden The Gnomes. Aus einem Soloprojekt eine „full-force four-piece band“, wie es so schön heißt. Und plötzlich stand da eine Band, die ausverkaufte Shows in Melbourne spielte und internationale Aufmerksamkeit bekam – unter anderem von Ted Carroll, früher Manager von Thin Lizzy und Mitgründer des legendären Londoner Indie-Labels Chiswick Records. Sein Urteil: „Great rockin‘ band! I love these guys!“ Kein Wunder, wenn die Referenz nicht das London der 1960er und Bands wie The Kinks wären, dann wären es die 1970er und Bands wie Dr. Feelgood. Das Debütalbum, aufgenommen größtenteils live im Singing Bird Studio in Frankston, fängt genau diese Energie ein: Vier Musiker in einem Raum, eingegrooved, ohne Schnickschnack. Zwölf Songs, die das Beste der 60er mit dem Besten von heute kombinieren. Von wildem Rhythm & Blues („Play With You“, „Better With You“) über Beat-Pop à la Merseybeat („I’ll Be There“, „I’m Not The One“) bis zu Psych-Reverb („Stung“) und Cavern-Club-Stampf („Flippin‘ Stomp“) – hier ist alles drin, was Garage-Rock ausmacht. Und das Beste: Kein einziger Ausfall. Doch The Gnomes klingen nicht wie eine Retro-Kopie, sondern wie eine Band, die diese DNA in sich trägt und sie mit modernem Garage-Grit veredelt. Die Gitarren janglen hell und klar, die Rhythmen sind knackig, die Hooks sitzen sofort. Millar hat alle Songs geschrieben (einen gemeinsam mit Ned Capp), und man hört: Der Junge hat Melodien für Tage. Das Ergebnis atmet, swingt, groovt – und klingt, als wäre die Band tatsächlich im selben Raum mit dir. Was hier als „Bayside Beat“ gefeiert wird, ist letztlich zeitloser Garage-Rock: simpel, melodisch, tanzbar. Doch haben The Gnomes etwas, das viele Retro-Bands vermissen lassen: Persönlichkeit. Sie klingen frisch, hungrig, als hätten sie etwas zu beweisen. Und sie haben noch große Pläne: Album Nummer zwei und drei sind bereits in Arbeit, internationale Touren für 2026 geplant. Frankston’s Fab Four nehmen Fahrt auf – und wer jetzt noch nicht eingestiegen ist, sollte das schleunigst nachholen. „I Like It“ – der virale Kinks-Style-Kranker – ist natürlich auch drauf, frisch neu aufgenommen.

