Verdammt gut gespielt
Wenn die Tedeschi Trucks Band und Leon Russell sich 2015 beim LOCKN‘ Festival zusammentun, um Joe Cockers legendäre „Mad Dogs & Englishmen“-Tour von 1970 neu zu beleben, dann ist das erst mal eine ziemlich verrückte Idee. Zehn Jahre später landet das Konzert als Album auf unseren Plattentellern – und wirft die Frage auf: Was soll das eigentlich?Die 14 Tracks knallen durch die Boxen wie ein Southern-Rock-Gewitter. Derek Trucks lässt seine Gitarre singen, Susan Tedeschi haucht den Klassikern neues Leben ein, und die Gästeparade macht das Ganze zu einem bunten Karussell der Stimmen. „With a Little Help from My Friends“, „The Letter“, „Delta Lady“ – alles da, was das Herz begehrt. Die abwechselnden Sänger*innen sorgen für Abwechslung, die Band groovt sich durch das Set wie durch warme Butter. Aber – und das ist ein verdammt großes Aber – was bringt das dem genialen Original? Cockers raue Seele, Russells pianistische Magie von 1970, diese einmalige Atmosphäre einer Ära im Umbruch – das lässt sich nicht einfach kopieren, auch nicht von Vollprofis wie TTB. Das hier ist handwerklich tadellos, mit Herzblut gespielt und liebevoll produziert. Trotzdem bleibt ein Gefühl zurück: Man hört eine sehr gute Coverband beim Nachspielen zu.Das gemeinschaftliche Musizieren funktioniert noch immer, keine Frage. Die Energie stimmt, die Leidenschaft ist spürbar. Aber braucht ein Meisterwerk wirklich eine Neuauflage? Ich persönlich hatte sehr viel Spaß beim Hören, hab das aber eigentlich nur getan, weil das Album neu ist. Am besten ihr hört einfach mal Original und die Neueinspielung. Dann trefft selbst eine Entscheidung.

