In einer Zeit vor Fleetwood Mac
Wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten öffnen die großen Musikverlage ihre Archive und das resultiert dann in allerhand Re-Issues, Anniversary Editions etc. Manches ist einfach Ausschlachten, sehen was noch geht, ohne Rücksicht auf Verluste. Dann aber finden sich doch regelmäßig echte Perlen. Nun darf ich mich hier als Fleetwood Mac Aficionado outen. Und da spreche ich jetzt von all den Bands, die bisher Fleetwood Mac waren, angefangen beim grandiosen Peter Green. Aber eines meiner prägendsten Coming Of Age Erlebnisse war ein Open Air in München im Jahre 1980. Damals roch es nach Freiheit für mich, das Leben begann! Ich, noch nicht volljährig, eher illegal unbegleitet, erstmals auf einem Event dieser Größe. Verglichen mit den heutigen Stadionkonzerten natürlich eine beinahe intime Angelegenheit. So intim, dass man Stevie Nicks fast schon in die Augen schauen konnte, selbst wenn man nicht in der ersten Reihe stand. Der Richtigkeit halber muss ich gestehen, dass ich im Gegensatz zum Großteil der Männerwelt in Sachen Fleetwood Mac immer schon als erstes ein Christine McVie-Fanboy war. Irgendwie bilde ich mir ein, dass Fleetwood Mac mir auch beigebracht haben, dass sich immer auch ein zweiter Blick lohnt. Den zweiten Blick kann man nun wieder auf das Debut Album von Stevie Nicks und Lindsay Buckingham werfen. Schlicht “Buckingham Nicks” getauft war es ihre Eintrittskarte zu Fleetwood Mac. Mick Fleetwood war Fan des Albums und fragte die beiden gerade heraus, ob sie nicht in seine Band einsteigen wollen. Der Rest ist Geschichte. “Buckingham Nicks” war nun seit Jahrzehnten nicht als CD oder Vinyl erhältlich. Jetzt gibt es aber eine Neuauflage und diese Platte wieder zu hören ist tatsächlich ein Hochamt der Musikgeschichte. Da ist schon alles drin, was die beiden später zu Fleetwood Mac beigetragen haben. Grandiose Songs, unfassbar gute Gitarrenarbeit, Energie! Und natürlich eine Sängerin, bei der man gleich merkt: eine ganz Große! Die mitwirkenden Studiomusiker sind sowieso eine Klasse für sich. U.a. Waddy Wachtel und Jim Keltner. Als die Platte 1973 erschien floppte sie. Was eigentlich unfassbar ist. Aber gute Musik war noch nie automatisch erfolgreich. Als Re-Issue empfehle ich nach Möglichkeit die Vinyl. Wer einen Plattenspieler hat und eine nur halbwegs gute Anlage wird viel Spaß damit haben. Analog at its best! Aber auch die CD Edition ist hörenswert… Jedenfalls gehört “Buckingham Nicks” in jeden musikalischen Haushalt. Physisch!! Read My Lips…

