Zehn Jahre Shake Stew – und das Beste liegt noch vor ihnen
Eigentlich sollte man vorsichtig sein mit Jubiläumsalben. Zu oft sind das Rückblicke für die Schublade, Retrospektiven für die Fans, Best-Ofs für das gute Gewissen. Shake Stew macht das natürlich anders. Das österreichische Septett um den Bassisten und Komponisten Lukas Kranzelbinder feiert sein zehnjähriges Bestehen mit einem Doppelalbum, das ausschließlich aus neuer Musik besteht – und das ist die beste Entscheidung, die die Band treffen konnte.
Zwei Schlagzeuge, zwei Bässe, drei Bläser: Die Besetzung allein klingt nach einer Ansage, und „Ten One Two“ hält, was diese Aufstellung verspricht. Der erste Teil des Albums, Ten One, versammelt Kranzelbinders Kompositionen und zeigt die Band auf der Höhe ihres handwerklichen Könnens. Der Opener „Wood“ beginnt mit einem sparsamen Duett aus Trompete (Mario Rom) und Kontrabass, bevor sich die volle Wucht des Ensembles entfaltet – treibende Grooves, tranceartige Bläserwolken, immer wieder unterbrochen von atemberaubenden Momenten der Stille. „Ascendance“, die erste Single, ist genau das, was ihr Name verspricht: Musik, die einen nach oben zieht. „Searching“ und „Bakunawa“ dagegen breiten die doppelte Schlagzeugbesetzung in sanften Klangschichten aus, fast schwebend, fast zärtlich. Mit „Tristan Junk“ – einem Stück, das den herrlich krautigen Log-Drum-Sound der Band mit dem Gitarristen JJ Whitefield als Gast verbindet – ist Ten One perfekt abgerundet.
Ten Two geht dann noch einen Schritt weiter: hier regiert die Improvisation, der kollektive Instinkt einer Band, die nach zehn Jahren gemeinsamen Spielens keine Anweisungen mehr braucht. Feldaufnahmen, modulare Synthesizer, Weltmusikeinflüsse vom Balkan bis Nordafrika – und trotzdem immer unverkennbar Shake Stew. Die Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik sprach einmal von etwas „Kultischem“, das die Band in den Jazz bringe. Nach „Ten One Two“ weiß man: Diese Beschreibung ist untertrieben. Das hier ist nicht das Abschlussfest einer Dekade. Das ist der Startschuss für die nächste.

