Die Kentucky-Songwriterin erschafft aus Verlust und Versöhnung ihr bisher persönlichstes Album
Es gibt diese Alben, die sich anfühlen wie ein Gespräch über den Gartenzaun hinweg – ehrlich, ohne Schnörkel, direkt aus dem Leben gegriffen. S. G. Goodmans drittes Album ist so eines. Nach drei Jahren knochenharter Tournee und nach dem Tod ihres engen Freundes und Mentors Mike Harmon, kehrte die Sängerin aus West-Kentucky zurück in die Stille, zurück zu den Wurzeln. Der Albumtitel bezieht sich auf eine alte ländliche Praxis aus den Appalachen: Gärtnern, Haare schneiden, ein Kind abstillen – all das richtet sich nach den Mondphasen. Ein Gegenentwurf zur profitgetriebenen Schnelllebigkeit unserer Zeit. Goodman nimmt sich auf diesen elf Songs bewusst Zeit, lässt die Drums unaufgeregt rollen, die Gitarren schimmern, sie erzählt von den großen und kleinen Schlägen des Lebens.
In „Michael Told Me“ verarbeitet sie den Tod ihres Freundes und zugleich die Versöhnung mit Matthew Rowan, ihrem langjährigen musikalischen Partner, mit dem sie sich überworfen hatte. Rowan spielt nun wieder Gitarre, produziert mit, singt im elegischen Titeltrack ein Duett mit Goodman, das klingt wie eine alte Gospel-Hymne. „Snapping Turtle“ erzählt von einer Begegnung mit Kindern, die eine Schildkröte quälen – und von den Momenten, in denen man selbst zur Gewalt greift, während man über Glück und Chancen nachdenkt. „Heaven Song“, mit fast neun Minuten der emotionale Höhepunkt, ist eine psychedelische Reise durch Trauer, Glauben und die Frage, ob der Himmel überhaupt ein erstrebenswertes Ziel ist. Und in „I’m In Love“ singt Goodman ins Löffel-Mikrofon in ihrem Truck, checkt Unterwäsche bei Walmart und badet heimlich im Pool der Nachbarn – das Leben in seiner ganzen ungekünstelten Schönheit.
Musikalisch bleibt Goodman diesmal fast immer bei verletzlichem Folk, der auch mal auf atmosphärische Klangflächen trifft. Bonnie „Prince“ Billy gibt den Harmoniegesang auf „Nature’s Child“, eine Pedal Steel webt sich durch „Fire Sign“. „Planting By The Signs“ ist ein Album, das nicht nach Aufmerksamkeit schreit, sondern sich langsam entfaltet – wie eine Pflanze, die nach den Zeichen des Mondes wächst.

