Der Amerikaner veröffentlicht ein poetisches Meisterwerk zwischen Americana und existenziellen Fragen
Manchmal reichen einfach keine drei Minuten und ein eingängiger Refrain, um zu berühren. Ryan Davis aus Louisville weiß das und dehnt seine Songs auf „New Threats from the Soul“ in die Länge und Breite – der neunminütige Titeltrack eröffnet das Album wie ein warmer Wind, der durch ein offenes Fenster weht, irgendwo im Summer of Love, nur eben 2025 und mit deutlich mehr existenziellen Zweifeln im Gepäck. Davis singt mit tiefer, hängender Stimme über Träume, die sterben, über Hoffnung, die sich an tote Ideale klammert, über die einfache Freude und die noch simplere Einsamkeit. Das klingt schwer? Ist es auch. Aber es ist gleichzeitig verdammt schön und ja, soulful.
Die sieben Songs (bei einer knappen Stunde Spielzeit!) auf diesem Album sind keine Americana-Lieder im klassischen Sinne – sie sind eher poetische Landschaftsgemälde, durch die man hindurchwandert, ohne genau zu wissen, wo man am Ende ankommt. „Mutilation Springs“ und „Mutilation Falls“ nutzen dieselben lyrischen und melodischen Motive, spiegeln sich ineinander wie zwei Ufer desselben Flusses. Davis schreibt Texte, die man zitieren möchte, aber nicht sollte, weil sie im Kontext seiner mäandernden Songstrukturen einfach besser funktionieren. Das erinnert manchmal fast an Großtaten von Van Morrison oder an die großen Zeiten von Lampchop. Da ist von „Walden Pawn“ die Rede, einem Pfandhaus, in dem Ideale verscherbelt werden, von Käfigvögeln, die für ihr Futter pfeifen, von toten Träumen und nekrophilen Hoffnungen. Klingt düster? Ist es auch. Aber irgendwo zwischen all dem Schmerz und der Desillusionierung flackert etwas auf – keine triumphale Erlösung, aber ein leises Versprechen, dass vielleicht, vielleicht doch noch was kommt.
Die Roadhouse Band – eine größere Band mit Pedal Steel, Flöte, Klavier, Bläsern und Backgroundstimmen (u.a. Catherine Irwin von Freakwater) – unterstützt Davis‘ Visionen mit Arrangements, die niemals prätentiös klingen, sondern organisch aus den Songs herauswachsen. „New Threats from the Soul“ klingt warm und direkt und will Zeit und Aufmerksamkeit. Das ist auch gut so.

