Wenn eine Blues-Institution endlich eine Frau ans Mikro lässt
58 Jahre hat es gedauert. Seit 1967 touren Roomful of Blues durch die Welt, haben über 50 Musiker*innen kommen und gehen sehen, fünf Grammy-Nominierungen eingesammelt und sich den Ruf erarbeitet, eine der besten Live-Bands im Blues-Business zu sein. Aber erst jetzt, mit ihrem 20. Studioalbum „Steppin‘ Out!“, steht zum ersten Mal eine Frau als Lead-Sängerin auf der Platte: D.D. Bastos aus New England, die vorher ihre eigene Band D.D. & The Road Kings leitete und jetzt mit ihrer kraftvollen, rauchigen Stimme den typischen „Little Big Band“-Sound von Roomful zum Glühen bringt.
Hier ist wirklich nichts neu – und das ist auch gar nicht der Punkt. Die 14 Songs sind allesamt Neuinterpretationen von mehr oder weniger obskuren Klassikern: Big Mama Thorntons „You Don’t Move Me No More“, Big Maybelles „Tell Me Who“, Etta James‘ „Good Rockin‘ Daddy“, Little Richards „Slippin‘ And Slidin'“. Dazu ein paar Stücke von Jimmy McCracklin, Tiny Bradshaw und Z.Z. Hill. Alles schon mal dagewesen, alles schon tausendmal gespielt. Aber der Esprit und Verve, die Freude und der Groove, mit dem die Herrschaften hier zu Werke gehen, sind mitreißend. Bandleader Chris Vachon lässt seine Gitarre schreien, die Horn-Sektion um den Veteranen Rich Lataille spielt, als gäbe es kein Morgen, und Bastos singt jeden Song, als hätte sie ihn selbst geschrieben und hundertmal gelebt.
Der Opener „Satisfied“ – ursprünglich 1955 von Billy „The Kid“ Emerson für Sun Records aufgenommen – ist ein Wirbelwind aus Gitarre, Bläsern und Bastos‘ vollem, unverschämtem Organ. „You Were Wrong“ (Z.Z. Hill) zieht einen sofort auf die Tanzfläche, während „Steppin‘ Up In Class“ den Saal zum Kochen bringt. Das ist cool und macht richtig Spaß. Roomful of Blues mal in einem kleinen Bluesschuppen live zu sehen, wäre ganz sicher ein schweißtreibendes Erlebnis – und bis dahin reicht auch diese Platte, um die Bude zum Beben zu bringen.

