Wenn Weihnachten einfach Spaß macht
Nach 27 Jahren Bandgeschichte veröffentlichen Old Crow Medicine Show ihr erstes Weihnachtsalbum – und anstatt brav die üblichen Standards abzuarbeiten, schreiben sie einfach elf neue Songs und packen nur zwei Cover dazu. „OCMS Xmas“ ist genau das, was man von dieser Band erwarten darf: authentischer Americana-Spirit, der die Brücke zwischen Tradition und Gegenwart schlägt und vor Freude am Musizieren strotzt. „We’re in the joy business“, sagt Frontmann Ketch Secor – und genau das hört man. Auf „Corn Whiskey Christmas“ fährt ein Bootlegger am Heiligabend seinen Chevrolet durch den Schnee und bringt Mondschein zu denen, die einen ordentlichen Schluck vertragen können. „Bethlehem, PA“ ist eine John-Prine-würdige Neuinterpretation der Geburtsgeschichte Jesu – nur eben in Pennsylvania statt Jerusalem, mit Zwischenstopps bei Wawa und Motel 6. Das düstere „Krampus Night“ ehrt die Folklore-Kreatur, die „womöglich Kohle bringt und die Seele stiehlt“, während „Grandpa’s Gone“ mit dem Verlust eines Familienmitglieds während der Feiertage ringt. Dazu gibt’s Mississippi-John-Hurt-inspirierten Country Blues („Jolly Man“), Zydeco-Flair („All About A Baby“) und das Songwriting-Debüt von Bandmitglied Morgan Jahnig („December 26“). Die beiden Cover – „Happy Xmas (War Is Over)“ mit dem Schulchor der von Secor gegründeten Episcopal School of Nashville und „Holly Jolly Christmas“ mit den Bläsern der Tennessee State University – fügen sich nahtlos ein. Old Crow Medicine Show sind keine Nachahmer, sondern Schöpfer, die dem Weihnachtskanon etwas Neues hinzufügen. Das ist die seltene Sorte Weihnachtsalbum, die auch nach der Bescherung noch funktioniert – weil hier echte Geschichten erzählt werden, mit Humor, Hillbilly-Twang und einer ordentlichen Portion String-Band-Stomp. Und weil diese Musiker lieben, was sie tun.

