Glam-Rock trifft Northern Soul im besten Kane-Album seit Jahren
Man kann Miles Kane nicht vorwerfen, er würde auf der Stelle treten. Nach dem Motown-durchfluteten „Change The Show“ und dem zurück-zu-den-Wurzeln-Rock von „One Man Band“ zieht der Liverpooler nun mit „Sunlight In The Shadows“ die vielleicht beste Karte seiner Solokarriere. Die Entscheidung, sich für sein sechstes Album mit Dan Auerbach von The Black Keys in dessen Nashville-Studio zu verschanzen, entpuppt sich als Volltreffer: Bereits am ersten Tag ihrer Zusammenarbeit entstanden drei Songs – alle schafften es auf die Platte.
Was Auerbach und Kane hier in nur drei Tagen live eingespielt haben, klingt wie eine fiebrige Halluzination aus T.Rex, Motown, den Easybeats und ordentlich Blues-Schlamm. Der Opener „Love Is Cruel“ donnert los wie ein vergessener Ennio-Morricone-Soundtrack – dramatisch, düster, mit Kanes unverwechselbarem Whammy-Bar-Gestöhne und einer Stimme, die gleichzeitig seidig und dreckig klingt. „Electric Flower“ hingegen ist reiner Marc-Bolan-Glam. Doch auch wenn die Referenzen offensichtlich sind, Kane kopiert nicht – er kanalisiert. Und ganz ehrlich: Wer braucht schon eine Oasis-Reunion, solange Miles Kane solche Platten macht? Hier ist alles, was wir wollen: Das zutiefst Britische, ein bisschen Glamrock und Glitzer, Fuzz-Gitarren und immer wieder dieser leicht Bowie-artige Gesang, der zwischen cool und verletzlich changiert.
Es ist eine Mischung aus scheinbarer Leichtigkeit und tiefer Verletzlichkeit, die das Album so packend macht. Kane reflektiert über den Druck des Rampenlichts, über mentale Gesundheit, über die ständige Jagd nach dem nächsten Erfolg – aber er tut es nie schwermütig, sondern mit einer Art cooler Verzweiflung, die einen nicht loslässt.
Die „Gitarren-Armee“ – neben Auerbach und Kane selbst auch Nick Bockrath (Cage The Elephant), Barrie Cadogan (Little Barrie) und Tom Bukovac – sorgt für einen Sound, der rau, spontan und verdammt lebendig ist. „Without You“ ist poppiger Siebziger-Rock’n’Roll, wie man ihn im Kino hören würde, „Blue Skies“ stolpert mit schrägen Gitarren-Hooks und einem Barrelhouse-Piano durch die Gegend, und „Slow Death“ – eine spontan im Studio entstandene Cover-Version des Flamin‘ Groovies-Klassikers – wird zur verlangsamten, funkigen Offenbarung.
„Sunlight In The Shadows“ fühlt sich an wie das authentischste Statement, das Kane bisher abgeliefert hat. Ein Album, das nicht versucht, cool zu wirken – es ist einfach cool.

