Neues aus O’gau, jetzt München
Ob die Erfinder des Begriffs „Heimatsound“ der Musikszene in Bayern einen Gefallen getan haben, weiß ich nicht. Der Begriff Heimat ist, wie Wolf Haas sagen würde, immer a bisserl Ding! So war der Heimatfilm anfangs nichts anderes als unerträgliche Nazi Propaganda. Identitätsstiftendes Material, und nichts ist identitätsstiftender als Ab und Ausgrenzung. Heimatklischees halten sich hartnäckig und bieten ja auch eine schöne Flucht für alle, die von der Komplexität der Welt überfordert sind. Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn es einen Ort gibt, an dem man sich zuhause fühlt. Nur ist dieser Ort schlussendlich selten ein geographischer, sondern ein persönlicher. Bei sich sein ist das Ziel, aber auch das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Von Herbert Achternbusch kennt man einen besonderen Umgang mit der Heimat. „Dieses
Land hat mich kaputt gemacht, und ich bleibe solange, bis man es ihm ansieht.“
Nun kommen alle irgendwo her und dieses irgendwo spielt beim persönlichen Werdegang immer eine Rolle. Bei Maxi Pongratz ist dieses irgendwo Oberammergau. Klischeebayern hoch Drei. Mittlerweile hat er das Dorf mit der Großstadt München getauscht. Und wer Maxi Pongratz seit seinen Kofelgschroa Tagen verfolgt, wohnt einer erstaunlichen künstlerischen Entwicklung bei, die natürlich sicher auch eine Persönlichkeitsentwicklung ist. Letztere geht uns als Hörer und Hörerinnen eigentlich nichts an, aber wie kann man je das Persönliche vom Künstlerischen trennen? Die KI mag für zukünftige Generationen da Lösungen anbieten, aber ich fühle mich immer noch als Mensch und als solcher spüre ich eine Verbundenheit mit Maxi Pongratz, die wiederum übers Musikalische hinausgeht. Hier erzählt einer in seinen Alben von einer Art Menschwerdung, um im Oberammergau Bild zu bleiben. Von den Widersprüchen im Leben, den Herausforderungen im Großen wie im Kleinen. Und in seiner Musikalität spiegelt sich ein immer breiter werdender Horizont. Ein Fuß in der bayrischen Volksmusik und der zweite schon im Krautrock. Ein Schritt seitwärts und man denkt sich man hat einen hiesigen Bill Callahan oder Bonnie Prince Billy vor sich. Aber natürlich sind das genauso unvermeidliche wie unvollkommene Assoziationen, die nicht endgültig beschreiben, was für eine große Hausnummer Maxi Pongratz mittlerweile ist. Das kann man wenden wie man will. Rum oder Num. Einen zweiten wie ihn gibt es nicht!

