Existenzielle Sehnsucht, eingebettet in warme Nylonsaiten und New-Orleans-Klänge
Man kann sich in dieses Album fallen lassen wie in eine Hängematte an einem warmen Tag – und genau da liegt seine Stärke und seine Achillesferse zugleich. John Craigie, der Troubadour aus Portland, den man gerne als Lovechild von John Prine und Mitch Hedberg beschreibt, hat sein zehntes Studioalbum größtenteils in New Orleans aufgenommen, mit handverlesenen Musiker*innen um Sam Doores von den Deslondes, und das hört man. Nylongitarre statt Steel-String, Bossa-Nova-Anklänge im Opener „Mermaid Weather“, dazu Pedal Steel, Piano und die allgegenwärtige Stimme von Anna Moss als kongeniale Duettpartnerin – „I Swam Here“ klingt, als hätte jemand die kalifornische Sonne in den Sümpfen von Louisiana destilliert.
Songs wie „Dry Land“, die Geschichte eines als Landmensch wiedergeborenen Seemanns, oder die von Marty Robbins inspirierte Western-Ballade „Edna Strange“ zeigen einen Songwriter, der mit federleichter Hand schwere Themen verhandelt – Tod, Einsamkeit, Sehnsucht, das Loslassen. In „Follow Your Whispers“ singt er einem Geist zu, der ihn verfolgt, und findet das auch völlig in Ordnung. Mit „Call Me A Bullet“, dem einzigen offen politischen Song, gelingt ihm eine erschütternd ruhige Abtreibungsgeschichte. Wer Craigies berühmten Live-Humor sucht, sollte weiterhin lieber eines seine Live-Alben anhören. Und ja, manchmal wünscht man sich einen Tick mehr Reibung, einen Moment, der das sanfte Gleiten unterbricht. Doch wer sich auf diese zehn Songs wirklich einlässt, entdeckt unter der makellosen Oberfläche eine poetische Tiefe, die lange nachhallt.

