Der Kanadier legt mal wieder ein wunderschönes Album vor
„Waves Of Desire“ klingt wie eine Umarmung. Der kanadische Singer-Songwriter Jerry Leger, seit über zwei Jahrzehnten im Geschäft, hat sich während einer Europa-Tournee mit seiner Band The Situation für ein paar freie Tage ins Maarweg-Studio in Köln zurückgezogen und dort zehn Songs aufgenommen, die er selbst seine „Pure Pop for Jerry People“-Platte nennt. Was hier entstanden ist, klingt nach den großen Pop-Momenten der Sechziger und Siebziger, nach zeitlosen Melodien und himmlischen Harmonien. Leger destilliert diese Einflüsse zu etwas ganz Eigenem, zu Songs, die sich gleichzeitig vertraut und frisch anfühlen. Gleich der Opener „Alcatraz“ setzt mit einer 12-saitigem Gitarre und warmer Hammond-Orgel den Ton – melancholische Poesie in süßer Klangumarmung. „It’s So Strange“ besticht durch Pedal-Steel, gedoppelte akustische Gitarren und ein Mellotron, das zusammen mit den Harmonien an die fragile Furchtlosigkeit alter Everly Brothers-Aufnahmen erinnert. Und dann ist da noch „Willow Ave“, ein autobiographisches Stück über Spaziergänge mit dem Vater durch Torontos East End, das an den jungen Roy Orbison denken lässt. Zwischendurch wird’s rockiger: „Calling A Bluff“ kommt mit Stones-Groove und Power-Pop-Refrain daher, der Titeltrack liefert überschäumende Energie. Leger singt über Beziehungen, die zerbrechen, über Neuanfänge und nostalgische Sehnsüchte – verletzlich, ehrlich, ohne Kitsch. Das Schlussstück „Back In Love With Me Again“ öffnet mit der Zeile „another day older, another job done“ – nach mehr als zwanzig Jahren als Musiker ist dies immer noch die Art von Arbeit, die er liebt und das hört man in jedem Ton.

