Wenn Traurigkeit zur Kunst wird
Es ist eine alte Weisheit der Popgeschichte: Trennung macht gute Alben. Jede*r muss dann durch die Dunkelheit, um wieder ans Licht zu kommen und Songwriter*innen nutzen dafür ihre Kunst. Auch Jaimi Faulkner hat diesen Weg gewählt – und mit „Half Of It“ ein Album geschaffen, das so schmerzhaft ehrlich ist, dass man beim Hören am liebsten durchs Telefon greifen und den Mann trösten möchte. Doch genau darin liegt die Kraft dieses siebten Studioalbums des in Düsseldorf lebenden Australiers: Es ist Therapie in Songform, ein Konzeptalbum über Trennung, Verlust und die Frage, wie man weitermacht, wenn die Familie auseinanderbricht und man die Hälfte des Lebens seiner Tochter verpasst.
„This table, it used to sit three“ – schon die erste Zeile des Titelstücks trifft ins Mark. Faulkners raue, leicht körnige Stimme trägt die Worte mit einer Mischung aus Verzweiflung und Resignation vor, während seine Gitarre sparsame, aber umso eindringlichere Akkorde anschlägt. Der Mann hat fast alles selbst eingespielt und gerade diese Intimität macht „Half Of It“ zu einem besonderen Album. Ich wünsche mir eigentlich immer lieber eine Band statt dieser Ich-kann-alles-alleine-Attitude, aber hier ist es nur konsequent. Niemand schreibt ein Tagebuch im Team, hier wurde es in Musik verwandelt. Im Geist von Ryan Adams‘ „Heartbreaker“ oder Bon Ivers „For Emma, Forever Ago“ bewegt sich Faulkner durch Folk, Americana, Blues und Soul, garniert mit zerbrechlich wirkenden Instrumentalstücken, die als kleine Atempausen zwischen den emotionalen Schwergewichten dienen.
„Ain’t My Lover“ lässt die E-Gitarre sakral hallen, „Benefit Of Hindsight“ kommt mit einem kompletten Gospelchor daher. Und dann gibt es da noch „Kivik Nights“, ein Instrumental benannt nach einem IKEA-Sofa, auf dem er ganze Nächte verbrachte, während seine Welt auseinanderbrach. Es sind diese Details, die das Album so authentisch machen. Faulkner versteckt sich nicht hinter großen Gesten, er legt seine Wunden einfach offen – und gerade deshalb klingt seine Musik am Ende doch tröstlich. „But I’m done with all the hurting / And all my tears I’ve cried / I’ve been trying to write a sad song in my mind.“ Aber „Half Of It“ ist mehr als nur traurig. Es ist kathartisch, ehrlich und verdammt gut gemacht. Kein Album für gutgläubig, lauthals Betende, sondern für nachdenkliche, offenohrig Hörende.

