Wenn Trauer zum Klang wird
Es sind die ganz leisen Töne, die am tiefsten gehen. Danny Kuttner, in Amsterdam geboren, in Israel aufgewachsen, veröffentlicht mit „Lilly“ ihr zweites, ein sehr persönliches Album. Benannt nach ihrer verstorbenen Großmutter, ist diese Platte weit mehr als nur ein musikalisches Denkmal: Es ist eine emotionale Reise durch Trauer, Identität und Neuanfang, verpackt in eine Klangwelt, die sich irgendwo zwischen Neo-Soul der 90er, zeitgenössischem Jazz und elektronischen Texturen bewegt. Gemeinsam mit Produzent Gal Oved hat die 27-jährige Songwriterin und Sängerin ein Album geschaffen, das in seiner Intimität fast schmerzt – und dabei nie kitschig wird. Der Opener „Seeds“ setzt mit Bon-Iver-esker Akustik-Intimität und geschichteten Harmonien den Ton, bevor Singles wie „Friendzone“ und „Growing Apart“ mit ruhiger Selbstsicherheit pulsieren. „Big Mouth“ – inspiriert Sängerinnen wie Aretha Franklin und Nai Palm – zeigt Kuttners verspielte Seite: üppige Bläser, schwebende Vocals, ein Song, der fast tänzelt. Das alles fühlt sich sehr natürlich an, führt von der Stille des Verlusts zur Wärme der Erneuerung. In der zweiten Hälfte entfaltet sich Kuttners Tiefe als Komponistin vollends: Der Titeltrack „Lilly“ und „Your Secrets“ sind die klaren Highlights, mit rauchigem Gesang und zurückhaltenden Grooves, die das emotionale Herzstück des Albums bilden. „Sie hat mir die Freiheit gelehrt, aus Liebe zu erschaffen“, sagt Kuttner über ihre Großmutter. Diese Freiheit hört man: in den zerbrechlichen Momenten genauso wie in den mutigen. „Lilly“ ist ein Album, das nicht laut sein muss, um gehört zu werden.

