Wenn der Herzschmerz tanzen geht
Manchmal braucht es eine Fortsetzung. Adrian Quesadas erstes „Boleros Psicodélicos“-Album von 2022 war ein während der Pandemie in Isolation entstandener Liebesbrief an die psychedelischen lateinamerikanischen Balladen der späten 1960er und frühen 1970er Jahre – ein wunderschönes, etwas entrücktes Projekt. Jetzt kommt Teil zwei, und der Black-Pumas-Mitgründer wollte diesmal etwas anders machen: Statt einsam im Studio zu sitzen, arbeitete er mit fast allen Gästen im selben Raum. „Boleros Psicodélicos II“ vereint zwölf Songs, die sich zwischen nostalgischem Bolero-Schmelz und modernen Hip-Hop-Elementen bewegen, ohne dabei ihre romantische Seele zu verlieren. Co-Produzent Alex Goose bringt genau die richtige Portion zeitgemäßen Glanz mit: Drumbreaks aus dem Hip-Hop-Sampler treffen auf Cembalo-Verzierungen, verzerrte Gitarren auf dramatische Gesangslinien. Das Eröffnungsstück „Ojos Secos“ mit dem kalifornischen Lo-Fi-Pop-Star Cuco schwelgt in melancholischem Herzschmerz, während „Bravo“ mit iLe von Calle 13 eine bittere Big-Band-Nummer ist, die sich von der traditionellen „Damsel in Distress“-Attitüde emanzipiert. Besonders mit den schweizerisch-ecuadorianischen Hermanos Gutiérrez, deren Cumbia-Gitarrenmagie perfekt mit Quesadas Bolero-Vision verschmilzt, oder das von Streichern getragene „Agonia“ mit Monsieur Periné, das mit Loop-Technik und Filmmusik-Flair so weich daherkommt wie Softeis. Quesada selbst singt auch auf diesem Album nicht – er überlässt das Mikrofon einer beeindruckenden Riege lateinamerikanischer Stimmen, von der kubanischen Jazz-Sängerin Daymé Arocena bis zum mexikanischen TikTok-Star Ed Maverick. Die meisten dieser Gäst*innen sind um die Jahrtausendwende geboren, was dem Projekt eine jugendliche Frische verleiht, ohne seine historische Verwurzelung zu vergessen. Diese Musik ist zeitlos und gleichzeitig brandaktuell, wie aus der Jukebox einer coolen, schwülen Latinobar.

