Wenn Heimkehren bedeutet, endlich anzukommen
Während seiner Tournee in Portugal, träumt Aaron Parks von einem Saxofon. Genauer: von einem Tenorsaxofon, das sich zu seinem Trio aus Ben Street (Bass) und Billy Hart (Drums) gesellt. Wenige Monate später steht Ben Solomon neben ihm im Village Vanguard, und das, was dort eine Woche lang passiert, ist so gut, dass Parks sofort weiß: Das muss aufgenommen werden. Zwei Tage später, in einem Studio in Brooklyn, entsteht „By All Means“ – ein Album, das wie eine Liebeserklärung an den Jazz klingt.
Nach den elektrischen Experimenten von „Little Big III“, wo Parks Radiohead mit Krautrock kreuzte, kehrt der Pianist zurück zu dem, was ihn geprägt hat: akustischer Jazz in der Tradition von Wayne Shorter, Bill Evans und Duke Ellington. Diese Rückkehr ist ein bewusstes Ja zu einer Musik, die Parks seit jeher liebt. Das Cover des Albums zitiert Jackie McLean’s „It’s Time“ von 1965, und genau wie McLean damals erklärt Parks heute: Es geht nicht darum, für immer „draußen“ zu bleiben – manchmal muss man „nach Hause“ kommen, um zu verstehen, wer man ist.
Sieben Eigenkompositionen hat Parks mitgebracht, einige frisch geschrieben, andere aus seiner Jugend ausgegraben. “Parks Lope”, die erste Single, spielt mit einem doppelten Sinn: ‚Lope‘ bedeutet im Englischen ‚hüpfender Gang‘ – und Parks selbst hat tatsächlich einen unregelmäßigen Gang. Gleichzeitig beschreibt es perfekt die Musik: einen Medium-Swing, der rhythmisch leicht stolpert und harmonisch überrascht. Thelonious Monk lässt grüßen, genauso wie Herbie Nichols. „For María José“, gewidmet an seine Ehefrau, ist eine Ballade von solcher Innigkeit, dass sie Coltrane’s „Naima“ nahekommt, ohne deren Pathos zu kopieren. Und „Little River“, ein Wiegenlied in 3/4 für seinen ältesten Sohn Lucas, zeigt, wie gut Parks darin ist, große Gefühle in kleine Melodien zu packen.
Das Quartett funktioniert, weil vier Generationen hier zusammenkommen und sich mit Respekt begegnen. Solomon, gerade mal 31, bringt spirituelle Intensität mit und spielt ohne jegliche Manierismen. Street, seit Jahren Parks‘ musikalischer älterer Bruder, ankert das Ganze mit einer Mischung aus Empathie und Rauheit. Und Schlagzeug-Legende Billy Hart, legt mit seinen Besen einen Groove hin, der zeitlos ist – weise und hip zugleich. Dass Parks selbst mehr begleitet als soliert, dass er dem Saxofon Raum gibt und sich zurücknimmt, zeigt eine Reife, die auf diesem Album überall zu spüren ist. Am Ende bleibt „Raincoat“, das Schlussstück, hängen: ein unaufgeregtes, fast meditatives Stück, das sich um ein schlichtes Ostinato rankt. Hier hört man vier Musiker, die einfach nur zusammen spielen wollen – ohne Konzept, ohne Gimmick, nur mit der Freude am gemeinsamen Moment. Parks nennt es „nach Hause kommen“, und genau so fühlt es sich an.

